Kamerun 2017

[8. Update, Stand vom 24.8. (erstes Tagesupdate), es werden nun noch Bilder folgen – ich habe wieder einen PC unter den Fingern] Grundsätzlicher Anlass der Reise war, neben unserer allgemeinen Reiselust, eine Hochzeitseinladung des ehemaligen Au-Pairs meiner Schwester Bernadette. Sie heißt Sandra Gaëlle und hatte in Deutschland Stéphane, einen Kameruner der auch aus Yaoundé stammt, kennen und lieben gelernt. Über diese Einladung haben wir uns sehr gefreut und nach diversen Vorbereitungen (Visa, Impfungen, Infos, …) ging es dann los. Vollständiger Beitrag »

Sensenkurs und Sensenverein Deutschland e.V.

Nachdem mein Kollege Joe Sieber mir schon mehrfach erzählt hatte, dass er zu den Gründern des Sensenvereins Deutschland e.V. gehört und auch Sensenkurse gibt war es dann Ende Juli 2009 endlich so weit. Die großen Ferien hatten gerade begonnen und bei Joe stieg ein neuer Sensenkurs. Zusammen mit zwei Freundinnen meldeten sich Irene und ich über die VHS Wangen bei Joe’s Sensenkurs an. In aller Frühe fanden wir uns am Treffpunkt, dem Privathaus von Joe in Wangen, ein um erst einmal die Theorie der Sense eingeweiht zu werden. Da ich als kleiner Bub schon mal gesenst hatte war ich gespannt was es da denn so zu lernen gibt. Schließlich ist Sense doch wohl Sense und wenn man die von rechts nach links schwenkt fällt das Gras schon irgendwie.

Tja … weit gefehlt! Im Verlauf der Theoriephase lernten wir dann folgendes kennen:

  • Der Sensenstiel heißt Worb. Die richtige Größe im Verhältnis zum Körper ist schon mal eine wichtige Voraussetzung später nicht immer gebückt und mit Rückenweh auf dem Wiesle zu stehen. Hmmm … da hatte ich doch schon mein erstes Deja-vu. Irgendwie war das logisch! Nur … im Baumarkt gibt es halt eine Größe und gut ist. Nicht so beim Kurs des Sensenvereins. Joe und Heiner, unsere Kursleiter, hatten da vier verschiedene Größen und für mich passte die große Größe dann gerade noch gut genug.
  • Ein nächster wichtiger Punkt war die richtige Position der beiden Griffe am Worb! Die waren an den speziellen Worbs glücklicherweise höhenverstellbar und so lernten wir, dass der untere Griff auf Höhe des Hüftknochens zu sein hat. Der obere Griff hat von dort aus eine Unterarmlänge und ca. eine Handbreit höher seine richtige Position. Auch irgendwie nachvollziehbar, dass die Griffe je nach Körperbau sicher eine optimale Position haben.
  • Auch Wetzen ist so ein Ding. Mir war klar, dass es hier darum geht die Klinge des Sensenblatts zu schleifen. Aber auch hier durfte ich Lernen, dass dem überhaupt nicht so ist. Die Schneide ist nämlich durch das Dengeln in Wirklichkeit so hauchdünn, dass sie sich beim Sensen verbiegt. Unscharf wird die gar nicht wirklich. Beim Wetzen geht es nur darum die verbogene und aufgerollte Schneide wieder gerade zu biegen. Erst einmal unglaublich wenn auch irgendwie wieder logisch erklärt. Die Praxis kurze Zeit später sollte dies aber auch noch bestätigen.
  • Nun ging es an das korrekte Anbringen des Sensenblatts am Worb. Nach kurzem Mitdenken wird auch hier klar, dass die beiden Winkel zum Worb natürlich auch richtig stimmen müssen damit das Messer im genau richtigen Winkel die Grashalme zum Schneiden trifft. Alle durften dann unter den kritischen aber sehr netten Augen unserer Tutoren ihre eigene Sense aufrüsten und das Sensenblatt entsprechend dem Gelernten anbringen.

Soweit mal zu den für mich wichtigsten Punkten der Theorie. Wir waren alle heiß darauf endlich auf’s Wiesle zu kommen und mit dem Sensen loszulegen. Zuerst wurde dort noch gezeigt wie das Wetzen denn nun in der Praxis aussieht.

  • Abwischen des Sensenblatts ohne sich zu schneiden.
  • Richtige Haltung des Wetzsteins.
  • Und dann das richtige Wetzen selbst.

Dann wurde jede/r Teilnehmer/in im Einzelunterricht in die richtige Schwungtechnik und Körperhaltung eingewiesen. Und nun ging es endlich ans Gras – man erhielt seine Reihe und durfte loslegen. Ziemlich konzentriert wurde die ersten Minuten die Sense geschwungen und dann zurückgeschaut was da hinter einem lag. Das war dann überraschenderweise tatsächlich ungefähr so wie es aussehen sollte. Das Gras war gemäht und lag als Mahd sauber in einer Reihe (Gerade will ich nicht gleich behaupten).

Über kurz oder lang waren alle schweigend dabei ihre Reihe abzusensen. Joe und Heiner unterstützten dabei in wundervoller Weise. Die Geräusche und der Geruch des frisch gemähten Grases waren wunderbar!

Irgendwann war dann Brotzeit. Im Garten von Joe gab es zum mitgebrachten Vesper einen wunderbaren Most aus Joe’s Keller. Im Kontrast zu dem noch vor wenigen Tagen hektischen Alltag in der Schule war diese Atmosphäre herrlich.

Direkt in Joe’s Garten durften wir dann noch erfahren, dass auch ein kurzer Hausrasen durchaus mit der Sense gemäht werden kann wenn diese richtig eingestellt und scharf ist.

Anschließend gab es noch eine Einführung in das Dengeln des Sensenblatts. Joe und Heiner haben hierfür etliche alte Blätter an denen man nichts mehr falsch machen kann.

Irene und ich waren vom Kurs absolut begeistert und nahmen gleich noch jeweils eine Sense mit. Auch der Sensenverein Deutschland e.V. begeisterte uns und so wurde ich dort gleich Mitglied.

Reise nach Bangladesch

Unsere älteste Tochter Laura startete im September 2008 ein Jahr als Freiwillige bei NETZ e.V., einer Organisation die in Bangladesch tätig ist. In den Pfingstferien 2009 besuchten wir Laura. Über diese Seiten haben wir für uns und den Daheim gebliebenen die Reise dokumentiert.

Los ging es zuerst mit der Deutschen Bahn von Meckenbeuren via Ulm nach München, dann per Emirates Airlines von München via Dubai nach Dhaka – der Hauptstadt der Volksrepublik Bangladesch – wo wir in den frühen Abendstunden ankamen.

Umsteigen in Dubai - 20.5.21009
Umsteigen in Dubai – 20.5.21009

Am Zia International Airport von Dhaka holte uns Laura zusammen mit Peter – einem anderen Freiwilligen von NETZ ab. Unsere geheim gehaltene Überraschung, dass nicht nur wir Eltern sondern auch ihre drei Geschwister kommen, fiel leider nicht ganz so überraschend aus da unser „Vermieter“, der uns auch die Einladung nach Bangladesch geschrieben hatte, sich doch ein klein wenig verplappert hatte. Der Hinweis – there will be a big surprise – hatte Laura über die Wochen dann doch ausgereicht um Vermutungen zu dieser großen Überraschung anzustellen. So war sie sich zwar nicht ganz sicher, hatte aber schon eine Vermutung od. Hoffnung wer die „drei Kollegen aus Esslingen“ den wohl in Wirklichkeit sein könnten. Nun gut … ein kleinerer Teil der Überraschung blieb trotzdem übrig.

In einem Minibus ging es nun auf die Reise zur Innenstadt von Dhaka bzw. unserer Unterkunft. Insbesondere Irene und die Kids bekamen dabei ihre ersten Eindrücke vom Verkehr in so einer Stadt (ich kannte das so ungefähr schon von meinen Aufenthalten in Indonesien). An diesem Abend folgte noch ein Abendessen, eine Grundeinführung in das Leben von Bangladesch sowie den Modalitäten in unserer Unterkunft und dann fielen alle mehr oder weniger erschöpft in die Betten.

Bangladesch – 21. Mai 2009

Den ersten Tag in Bangladesch bzw. in Dhaka begannen wir mit einem Frühstück in unserem Gästehaus. Der Begriff „Gästehaus“ trifft es allerdings nicht so ganz. Der Bangladeshi Korshed Alam leitete selbst eine NGO (Non Governmental Organisation) namens Alternative Movement for Resources and Freedom Society (AMRF) und hat im betreffenden Haus in zwei Stockwerken seine Büroräume, sein eigenes Zimmer und weitere Zimmer die er vermietet. Insgesamt könnte man die Unterkunft als eine Art Wohngemeinschaft mit dem Eigentümer, seiner Hausangestellten und seiner Haushaltshilfe/Köchin China (aussprechen als wäre das Wort Englisch, also Tscheina) und seinen Angestellten beschreiben.

Korshed engagierte sich sehr für die Verbesserung der Zustände in seinem Land. Bei etlichen Gesprächen mit ihm konnten wir sehr viel Details über sein Land und die Zustände erfahren – es gab eigentlich kein Thema in dem er nicht Bescheid wusste. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit waren z.B. die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der bengalischen Textilindustrie. Hier werden meist für einen Hungerlohn und unter übelsten Bedingungen die für uns in den Industriestaaten so günstigen Kleider hergestellt. Ich kann nur empfehlen sich zur Arbeit von Korshed ebenfalls zu informieren. Dieser Google-Suchlink liefert genügend Quellen.

Nach dem Frühstück ging es erst einmal auf eine dringend notwendige Einkaufstour. Damit Irene, Clara und Martha in der bengalischen Straßenwelt nicht schon bzgl. der Kleidung auffallen, wollten alle mit landestypischer Kleidung ausgestattet werden. Ein weiterer Grund hierfür war, dass diese Kleidung auch bei der großen Hitze angenehmer zu Tragen wäre. Wir hatten deshalb schon keine weitere Kleidung mitgenommen.

Im gleichen Einkaufskomplex befand sich dann auch ein Mobilfunk-Geschäft. Dort besorgten wir – ok … ich – uns noch eine SIM-Karte für den Internet-Zugang. Die Flatrate für einen Monat betrug inkl. der SIM-Karte 10,- Euro. Wie sich nachträglich herausstellte wurde die Karte dann aber nicht binnen 24 Stunden aktiviert was aber evtl. auch am Wochenende lag (in Bangladesch am Freitag und Samstag) sondern erst drei Tage später zum Sonntag.

Da Laura noch etwas an der Faculty of Fine Art an der University of Dhaka zu erledigen hatte fuhren wir noch dort vorbei und hatten so die Gelegenheit die Fotoausstellung zur Krankheit „Thalassämie“ zu besichtigen. Letztere kannten wir bis dahin noch nicht! Sie ist offenbar hauptsächlich im Mittelmeerraum und in Asien verbreitet. Da Blut in Bangladesch nur begrenzt verfügbar ist und eine Knochenmarkspende für die allermeisten Betroffenen jenseits aller finanziellen Möglichkeiten ist, endet der Ausbruch der Krankheit in aller Regel mit dem Tod der Betroffenen im Kindes-, Jugend- oder jungen Erwachsenenalter.

Bei einem Besuch in der NETZ-Zentrale lernten wir dann noch die Mitarbeiter der Organisation vor Ort kennen und erhielten von dort auch leihweise SIM-Karten für unser Mobiltelefone. Ohne die wären wir gerade in der Anfangszeit verloren gewesen. Relativ wenige Leute außerhalb von NETZ od. der Wohnung von Korshed sprechen Englisch, wir sprechen kein Bangla und so konnten wir uns gerade in der Anfangszeit nur per Mobiltelefon Auskunft, Rat und Hilfe holen.

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Hersteller und Verkäufer von gekühltem Zuckerrohrsaft – häufig zu sehen

Den Abschluss des Tages genossen wir bei einem Abendessen im Cafe Mango – einem sehr netten, schon eher westlich-europäischen Cafe.

Bangladesch – 22. Mai 2009

Für diesen Tag hatte Laura uns eine Führung durch Old-Dhaka – die Altstadt von Dhaka – organisiert. Die Führungen werden derzeit von einer Gruppe die wohl vor allem aus bengalischen Architekten besteht durchgeführt. Ziel dieser Gruppe ist es auf die noch vorhandenen alten historischen Strukturen und Bauten in diesem Gebiet hinzuweisen, damit etwas Geld zu verdienen und evtl. zu verhindern, dass noch mehr dieser Gebäude den neuen hässlichen Betonklötzen weichen müssen. Laura hatte die Führung schon mitgemacht, uns empfohlen und auf unseren Wunsch auch für uns einen Termin für 8:00 Uhr vereinbart.

Da Laura selbst aber Arbeiten musste war dies unser erster eigener Trip durch dieses hektische und laute Dhaka. Alleine auf uns gestellt machten wir uns also morgens mutig auf die Reise. Ein am Vortag von Korshed bestelltes Taxi wartete auf uns und fuhr uns ca. 45 Minuten an den vorgesehenen Treffpunkt an der Ecke North-South-Road zu English Road. Es war nun 7:45 Uhr und wir standen erst mal in der Gegend herum. Wie so langsam bereits gewohnt wurden wir recht offen begafft da wir hier so etwas wie ein Weltwunder sind :-). Es wurde 8:00, es wurde 8:05, es wurde 8:10. Den ersten wurde es so langsam mulmig und es kam die Frage auf ob wir überhaupt an der richtigen Kreuzung stehen – bengalische Schriftzeichen kann von uns keiner lesen und außerdem sind die Straßen nicht beschriftet (wir werden erst später lernen, dass man sich ein gutes Geschäft sucht und dessen Reklameschild liest – dort steht das dann drauf :-) )! Nach kurzer Besprechung einigten wir uns also erst einmal darauf, dass wir uns noch keine Sorgen machen weil das halt eine Verabredung nach bengalischer Zeit ist. Um 8:30 Uhr war es damit aber vorbei – die Sorgen nahmen überhand und wir kontaktierten mal jemand der aussah als könne er Englisch. Dem war dann auch so und er bestätigte uns, dass wir an der richtigen Kreuzung stehen. Wir warteten also wieder. Um ca. 8:45 Uhr kam dann ein Mann zielstrebig über die Straße auf uns zu und stellte sich als unsere Verabredung vor. Er hatte seit 8:00 Uhr genau diagonal entgegengesetzt gewartet. Nach Telefonaten mit Korshed und Laura hatte er sich dann erkundigt ob es evtl. die Gruppe mit Kindern wäre – damit hatte er nicht gerechnet. Davon abgesehen ein auf Anhieb sehr netter Mann!

Wir also los weil er auch meinte wir müssen den Zeitverlust ein bisschen aufholen, die Tour sei lang! Ok … durch enge, kleine Gassen in der Altstadt die ich sonst nie betreten hätte ging es an Hauseingängen und kleinen Geschäften in das Häusermeer weg von den Hauptstraßen. Erste Station war eine Art Schwimmbad. Wir erfuhren, dass es sich dabei um eine ehemalige große Zisterne handelte in der man das Wasser gesammelt hat. Leider sind die meisten heute zugeschüttet und bebaut. Die Architektengruppe bearbeitet die Regierung und würde gerne Cafes, kleine Geschäfte, … ansiedeln um hier einen schönen Platz zu schaffen. Derzeit ist in dem Viertel die Bauindustrie zu Hause.

Beim Weitergehen erfuhren wir dann, dass das sowieso immer eine komische Art von Ansammlung eines einzigen Geschäftszweigs ist. Es gibt nämlich nicht immer nur eine Art von Geschäft (z.B. eine Stoffhandlung) sondern wenn schon dann ist das ganze Viertel eine einzige Ansammlung aus Stoffhandlungen. Das war uns bis dahin noch gar nicht so richtig ins Bewusstsein gekommen obwohl es tatsächlich offensichtlich ist. Das kommt offenbar aus früheren Zeiten als eben irgendeine Volksgruppe für etwas zuständig war und die wohnten dann aber auch alle zusammen in einem Viertel.

Nächste Station war das alte Metzger-Viertel. Bis heute sind hier die Metzger beheimatet uns so sahen wir Rinderhälften und sonstige Fleischstücke direkt an der Straße hängen. Für uns, von den Lebensmittelvorschriften verwöhnten Europäer ein sehr ungewohntes Bild. Abgesehen vom generell etwas verschmutzten Straßenbild sahen die Metzgereien aber schon soweit das dort geht sauber aus. Auf der Straße sprangen die Schafe und Ziegen noch vergnügt umher und warteten so bis der Bedarf dann ihrem Leben ein Ende setzt.

Danach kamen wir zu zwei Moscheen. Beide Moscheen stammen aus der Zeit als Bangladesch zum Mogulreich gehörte. Der Architekt – hier natürlich in seinem Reich unterwegs – erläuterte uns den typischen Baustil der Moscheen mit ihren drei Kuppeln. Er zeigte uns Details in der komplett mit Mosaiksteinchen verkleideten ersten Moschee. Das Material besteht komplett aus kleinen Scherben chinesischen Porzellans, teils vergoldet. Die zweite Moschee (Sternen Moschee – Tara Masjid) war dann kleiner aber auch deutlich älter.

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Es handelte sich wohl um die erste Mogulmoschee in Dhaka. Zu unser großen Überraschung durften wir die Moschee betreten. Nachdem wir die Schuhe ausgezogen hatten ging es also in das Innere des Gebäudes das mit Kacheln verkleidet ist. Der Architekt zeigte uns den ursprünglichen Teil der Moschee (ebenfalls mit drei Kuppeln) und den später hinzugefügten Erweiterungbau mit weiteren zwei Kuppeln. Er wies uns gut auf die Stellen an denen man sehen konnte wo der alte Teil aufhörte und der neue Teil begann.

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Die nächsten Stationen waren Häuser aus der alten Zeit bis hin zur Kolonialzeit. Leider für unsere Verhältnisse in einem sehr desolaten Zustand war die Pracht und die Großzügigkeit der Häuser trotzdem noch gut erkennbar bzw. erahnbar. Als normaler Besucher hat man m.E. nach keine Chance einen Großteil dieses Gebäude zu finden. Sie verstecken sich entweder hinter unscheinbaren Fassaden oder es geht durch ein paar verwinkelte Fußpfade zwischen Mauern und plötzlich steht man in einem Garten an dessen hinteren Ende das Gebäude sichtbar wird. Die Gebäude natürlich auch alle noch im Familienbesitz und durch die Nachkommen bewohnt! Die Architektengruppe hat mit den Familien aber eine Vereinbarung bzgl. der Besuche und so wurden wir jeweils von den Familienoberhäuptern mehr als herzlich empfangen!

Nach einem eher traditionellen bengalischen alten Haus mit kühlem Innenhof (warum gibt es die nicht mehr) kamen wir an eines der altherrschaftlichen Gebäude. Hier wohnte früher wohl eine der Dynastien der alten Landlords von Dhaka (Name konnte ich mir leider nicht merken). Sie zeigten uns stolz ihr Haus, Einrichtungen (mit Möbelstücken aus dem viktorianischen Zeitalter), Bilder aus längst vergangenen Zeiten bis in die Neuzeit, erläuterten ihre Familiengeschichte und versorgten uns mit kühlen Getränken und köstlichen Mangos aus dem eigenen Garten. Es gibt offenbar über 100 Mangosorten und die im Garten gilt als die Königin der Mangos. Zwei der angrenzenden Straßen sind nach den Vorfahren benannt.

Es folgte ein weiteres Haus und offenbar auch das religiöse Zentrum der schiitischen Bevölkerung. Wiederum vom Familienoberhaupt wurde uns dieses älteste bekannte Haus Dhakas (auch aus der Mogulzeit) gezeigt und der schiitische Schrein/Altar gezeigt.

Nach einer kurze Darstellung der Herkunft des schiitischen Glaubens und der Schlacht von Kerbala (glücklicherweise hatte ich die Scholl-Latour- und Konzelmann-Bücher alle gelesen und verstand damit um was es ging) wurden wir auch hier zu erfrischenden Getränken und Keksen eingeladen. Als die Frau des Hauses erfuhr, dass nicht eine der üblichen Besuchergruppen da ist sondern eine Familie aus Deutschland, gesellte sie sich offenbar zum ersten Mal auch dazu. Die Kinder folgten und so wurde es eine richtig nettes und gemütliches Familienzusammentreffen. Corbinian bekam dann plötzlich eines seiner bald eine halbe Stunde andauernden Nasenblutens was alle in Aufruhr versetzte (es wird Zeit das mal Veröden zu lassen). An dem Tag hatten wir auch gut über 40 Grad und zu dem Zeitpunkt waren wir schon ziemlich fertig.

Es folgten diverse weiter Häuser die wir mangels Zeit aber nicht mehr in dieser Tiefe besichtigten. An drei muslimischen Friedhöfen vorbei ging es nun zur alten Karawanserei von Dhaka.

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Leider auch in totalem Verfall befindlich und ungefähr auch schon zur Hälfte nicht mehr vorhanden läßt sich die ursprüngliche Größe der Einrichtung noch gut erkennen. Durch eines der ehemaligen Tore betraten wir das Gebiet. Wir betraten dann eine Madrasa (Koranschule) und unser Führer lies uns kurz in einer Gruppe von erwachsenen Schülern zurück um die Erlaubnis zu holen die Schule zu betreten. Grund ist, dass der erhaltene Teil der Karawanserei von der Koranschule belegt ist. Wir erhielten auch hier die Erlaubnis (die Einholung lt. Architekt eher ein Akt der Ehrerbietung) und konnten so die ehemaligen Unterkünfte der Handelsreisenden und die Lagerhallen besichtigen. Zwischenzeitlich war es Mittagszeit und wir durften auch noch die zentrale Küche der Madrasa und ihren stolzen Koch besichtigen.

Es folgten noch ein paar weitere Straßenzüge, Märkte, … bis der Führer selbst sagte unsere Kinder wären jetzt wohl ziemlich am Ende ob wir denn noch weitermachen sollten. Wir beendeten die Führung dann da nicht nur die Kinder am Ende waren und machten uns auf den Heimweg.

Zu Hause fielen alle in die Betten und so dösten wir unter der heftigen Mittagshitze ein paar Stunden. Irene und die Mädels gingen dann Abends noch mit Laura in das Reichenviertel von Gulshan zum Shopen (Arong). Mit einigen wirklich schönen Dingen beladen kamen sie dann später wieder zurück.

Bangladesch – 23. Mai 2009

Heute stand als erstes ein Besuch im „Liberation War Museum“ auf dem Programm. Wie im Reiseführer beschrieben wird in diesem kleineren Museum kurz die Entstehung Bangladeschs beschrieben. Die endgültige Freiheit von Pakistan (damals noch Westpakistan) erlangte das Land im Endeffekt durch einen offenbar grauenhaften Befreiungskrieg im Jahr 1971. Diesem Krieg ist der größte Teil des Museums gewidmet. Neben reinen Berichten und Fotos der damaligen Geschehnisse finden sich auch viele persönliche Schicksale mit Gegenständen der betreffenden Personen in der Ausstellung wieder.

Mit uns im Museum war Emilie, eine Freundin von Laura aus Frankreich die ebenfalls in Dhaka für eine französische NGO arbeitet. Da sie ihre frühere Arbeitsstelle in der Gegend hatte kannte sie eine große Moschee die ebenfalls in dieser Gegend zu finden war. Wir beschlossen deshalb diese Moschee zumindest von Außen, wenn erlaubt auch von Innen zu besichtigen. Die betreffende Moschee ist die Baitul Mukarram Moschee – die nationale Moschee von Bangladesch.

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Auf Nachfrage erfuhren wir, dass wir die Moschee durchaus betreten dürfen – es war nur noch unklar welche Bereich die Frauen betreten dürfen. Nachdem wir für Martha noch einen Schal besorgt hatten betraten wir also Barfuß und etwas unsicher das riesige Gebäude. Alle die uns sahen winkten wir sollen weitergehen. Letztendlich nahmen sich dann aber zwei offenbar zur Moschee gehörende Männer unser an und führten uns gezielt in die einzelnen Räume der Moschee. Bereitwillig erläuterten sie uns die einzelnen Bereiche und zeigten uns auch die ersten drei Stockwerke der insgesamt sieben Gebetsetagen. Anschließend führten Sie uns noch zum Gebetsraum der Frauen zu dem dann aber Corbinian und ich keinen Zutritt erhielten weil eine Frau am Eingang dagegen Einspruch erhob. Ebenfalls am Eingang zum Bereich der Frauen begegnete uns dann auch noch eine Frau die, als ihr klar wurde dass wir Deutsche sind, in deutscher Sprache von ihrer offenbar schönen Zeit in Deutschland (Düsseldorf, Frankfurt, …) berichtete und hell auf begeistert von unserer Anwesenheit war.

Anschließend ging es wieder auf den Heimweg. Wieder war es Emilie die sich hier auch mit den Bussen aus kannte und so kamen wir zum ersten Mal in den „Genuss“ einer Busfahrt durch die halbe Stadt – ein Erlebnis für sich.

Gegen Abend beschlossen wir dann dem Nobel-Stadteil Gulshan einmal die Ehre zu geben. Laura führte uns zuerst in den dortigen Vergnügungspark Wonderland. Mit Fahrkarten für ca. 40 Fahrten der dortigen Attraktionen (Boxauto, Kettenkarussel, 3D-Kino, …) bewaffnet ging es also rein in das Vergnügen. Obwohl nicht mit einem unserer Vergnügungsparks zu vergleichen war es doch ein Erlebnis auf seine eigene Art. Zumindest für Laura war die Volcano-Attraktion dann der Höhepunkt des Besuchs. Da sie sicherlich noch andere zu dieser Attraktion führen will, möchte ich hier nicht zu viel darüber verraten.

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Alle waren nun wieder gründlich verschwitzt und der Magen hing uns auch in den Kniekehlen. Deshalb steuerten wir zielstrebig den German-Club ebenfalls in Gulshan an. Wie alle derartigen Clubs ist er nur Mitgliedern vorbehalten. Da Laura aber hier jemand kannte waren wir überraschend schnell im Inneren und bewunderten neben dem Schwimmbad auch noch die voll deutsche Speisekarte. So gab es zur Sättigung erst mal Schnitzel mit Pommes, Kässpätzle, griechischen Salat, Heineken-Bier, Pizza, … . Ja – ich weiß – so lange waren wir ja noch gar nicht aus Deutschland weg, geschmeckt hat es aber trotzdem wie zu Hause. Ist also absolut zu empfehlen. Nach dem Essen ging es zum Schwimmen und insbesondere Martha wollte den Pool gar nicht mehr verlassen.

Bangladesch – 24. Mai 2009

Zuerst haben wir uns an diesem Tag mal ganz mutig ohne die große Hilfe von Laura auf den Weg zum Hauptbahnhof von Dhaka gemacht um Zugtickets für unsere für Morgen geplante Reise nach Srimangal zu kaufen. Nachdem der Preis mit dem Taxifahrer ausgehandelt war, fuhren wir durch den Werktagsverkehr von einem Stau zum anderen und waren nach ca. einer Stunde dort angekommen.

Teil der Bahnhofshalle in Dhaka
Teil der Bahnhofshalle in Dhaka

Der Reiseführer hatte erwähnt, dass der Ticketverkauf seit der Einführung von Computern wesentlich besser verliefe als früher. Unsere Erwartungen waren aber immer noch viel zu hoch. Es erwartete uns eine große Halle mit vielen Ticketschaltern die aber ausschließlich mit bengalischen Schriftzeichen versehen waren. Davor in akkuraten Warteschlangen riesige Menschenmengen. Nachdem wir dieses Bild einige Zeit mit einer gewissen Ratlosigkeit betrachtet hatten gingen wir auf die Suche nach jemand der Englisch spricht. Ein junger Mann der ganz passabel Englisch konnte bot sich schnell an, erkundigte sich nach unserem Ziel und zog dann für uns die ersten Erkundigungen an einem Schalter ein. Nachdem klar war, dass wir mit Klimaanlage und Platzreservierung fahren wollten (das gibt es nur in der 1. Klasse) geleitete er uns zum passenden Schalter und wollte uns, nachdem wir an der Reihe waren, auch dort behilflich sein. Der Schalterbeamte vertrieb ihn aber – wohl um zu zeigen, dass er auch Englisch kann und keinen Dolmetscher braucht. Nach einiger Erklärung und Verhandlung kamen wir so zu unseren Zugtickets für den Joyenteeka-Intercity-Express für 14:00 Uhr am nächsten Tag. Den Versuch unseren Helfer zu entlohnen lehnte dieser nachdrücklich ab. Es stellte sich heraus, dass er Journalistikstudent ist und uns einfach ohne jegliche weiteren Absichten helfen wollte. Auch eine Einladung zu einem Kaffe oder einem Cha (Tee) lehnte er ab. Er verhalf uns noch zu zwei GNCs (die üblichen Motor-Rickschas) und verhandelte auch noch den Preis für uns. Nach einem Austausch der Mailadressen ging es für uns dann weiter zum Sadarghat – dem Bootshafen am Buriganga.

Eines unsere GNCs verfuhr sich heillos. Mal abgesehen von der langen Fahrt kamen wir aber so zu einer tollen Rundfahrt durch kleine Gassen in Old Dhaka. Das GNC setze uns allerdings mitten im Gewühl einiger Marktstände ab und so dauerte es eine Weile bis die Familie sich am Bootsterminal wieder zusammen fand. Die dort Wartenden waren schon die ganze Zeit von einem Bangladeshi belauert worden der uns nun schnurstracks unter großen Lobpreisungen seiner Bootstour durch das Hafengebäude lotste. Die entrüsteten Schreie der Ticketschalter, dass hier ohne Ticket kein Durchkommen sei beruhigte er mit 20 Taka aus unserer Börse. In kürzester Zeit fanden wir uns auf einem Kai mit etlichen großen Flussschiffen wieder. Unser Führer bzw. Bootsvermittler brachte uns aber zu einem kleinen Holzboot das ca. 2m unterhalb des Kais im Wasser lag. Der Bangladesch-Reiseführer beschrieb die Tour mit solch einem Boot als durchaus riskant bis lebensgefährlich weil die Flussdampfer über derartige Nussschalen wohl das eine oder andere Mal schlicht hinweg fahren. Im Vorfeld hatten wir dann überlegt dieses Wagnis nicht einzugehen, vergaßen das vor der überwältigenden Kulisse aber. Der Bootsführer zog das Boot mit einem Seil über einen Poller ca. einen Meter nach oben und forderte uns auf einzusteigen. Nun gut … er verkannte wohl das Gewicht von Papa Grupp aber er wollte es so. Ich also runter ins Boot, der Bootsführer konnte das Gewicht nicht halten, das Boot kracht einen guten Meter ins Wasser runter, das Bootsdeck unter mir bricht ein und mein Fuß verschwindet im Boot und der Bootsführer verschwindet bis über die Hüfte in den übel stinkenden Fluten – nur noch an mich geklammert. Es gelang uns dann glücklicherweise allen den heftig schwankenden Kahn wieder unter Kontrolle und den Bootsführer wieder ins Boot zu bekommen. Bevor wir unser Vorhaben aber überdenken konnten, hatte der Vermittler das nächste Boot an der Hand, verfrachtete mich dorthin und lies nun den Rest der Familie etwas vorsichtiger einsteigen. Gerade im Boot angekommen kam uns nach den ersten paar Metern prompt einer der angekündigten Dampfer auf dem Weg zum Anleger entgegen.

An der Stelle hätten wir das Abenteuer gerne beendet aber das war nun schon zu spät. Es ging also auf den Fluss hinaus dessen Gestank und Aussehen aber weiterhin konkrete Assoziationen zu einer Kläranlage erweckte.

Die restliche Bootstour war dann aber tatsächlich sehr interessant! Nachdem wir zum gegenüberliegenden Ufer gefahren waren sahen wir dort eine altes Schiff am anderen. Zuerst dachten wir es handelt sich um eine Abwrackwerft wie wir sie schon im Film „Eisenfresser“ gesehen hatten.

Anders Ufer des Buriganga mit Werften
Anders Ufer des Buriganga mit Werften

Tatsächlich stellte es sich dann aber als Werft zur Reparatur alter Schiffe bzw. zum Neubau von Schiffen aus den Bestandteilen alter Schiffe heraus. Unser Bootsvermittler brachte uns, als er unser Interesse wahrnahm, an Land und führte uns durch das Gewirr an halbfertigen Booten, alten Motoren, Schiffsschrauben, Eisenplatten, … . Überall waren Menschen mit bloßen Händen, Hämmern und Meißeln dabei das alte Metall zu zerlegen und in neue Formen zu bringen.

Werftarbeiter mit Stahlmeißel und Vorschlaghammer
Werftarbeiter mit Stahlmeißel und Vorschlaghammer

Wie überall waren die Menschen dabei sehr freundlich zu uns und freuten sich sehr wenn sie auch auf einem Foto festgehalten wurden. Nachdem wir das Boot wieder bestiegen hatten ging es zurück an das ursprüngliche Flussufer und an einer Ansammlung von Frucht-Umschlagsplätzen entlang zurück zu unserem Ausgangspunkt.

Händler am Buriganga-Ufer
Händler am Buriganga-Ufer

Nachdem der Bootsvermittler uns dann noch eine für seine Verhältnisse sicher sehr hohe Summe abgerungen hatte verabschiedete er sich hoch erfreut von uns.
Den Abend verbrachten wir dieses Mal im Appartement von Laura – der Villa Blanche im Stadtteil Dhanmondi – mit einigen Spielrunden UNO.

Bangladesch – 25. Mai 2009

Nach dem Packen für unseren dreitägigen Ausflug in die Sylhet-Gegend – konkret nach Srimangal – und einem von Tscheina’s Pfannkuchen-Frühstück, ging es wieder auf die Reise zum Bahnhof. Da wir dort am Vortag alles schon recht gut erkundet hatten fanden wir unseren Bahnsteig sofort wieder und wurden von einem der Schaffner direkt in unser Abteil geleitet. Angenehm klimatisiert, mit zusätzlichen Liegen in einer 2. Etage ausgestattet erwarteten wir dann die Abfahrt. Plötzlich öffnete sich unsere Abteiltür und der Student vom Vortag stand zusammen mit einem Freund wieder vor uns. Er war erneut gekommen um u.a. zu sehen ob bei uns alles geklappt hatte. Er hatte seinen Wohnort und seine Kontaktdaten zusammengefasst vorbereitet und wir tauschten die Daten erneut aus da er den Zetteln von gestern wohl verloren hatte. Nach einem netten Gespräch und ein paar Fotos verließen die Beiden den Zug dann als er abfuhr. Ich weiß nicht ob er sich noch etwas Konkretes erhofft und wünsche ihm vorerst einmal alles Gute. Ein Besuch von ihm in Deutschland bleibt vorerst einmal Utopie.

Unser Intercity-Express zuckelte dann von einer Diesel-Lokomotive gezogen ganz gemächlich aus dem Bahnhof. Schienenbreite ist übrigens Schmalspur. Es ging durch die Vororte von Dhaka nach Norden und außerhalb der Stadt beschleunigte er auch etwas. Wie Laura schon angekündigt hatte war die Geschwindigkeit auch im Verlauf der weiteren Fahrt nicht sehr hoch. Nach der unbeschreiblichen Hektik von Dhaka war es aber eine echte Wohltat die Landschaftsbilder auch einmal einen Moment länger auf sich wirken lassen zu können.

Unser Zug bei einem Halt - man beachte das Dach unseres Intercity weiter vorn
Unser Zug bei einem Halt – man beachte das Dach unseres Intercity weiter vorn

Die Besiedelung entlang der Bahnlinie wurde außerhalb Dhaka’s schnell dünner und wich dann zunehmend kilometerweiten Feldern – vor allem war für uns Reis erkennbar.

Die gemütliche Fahrt bot davon abgesehen auch die erste Möglichkeit einmal die ganzen vergangenen Tage zu dokumentieren.

In Srimangal kamen wir dann in der Nacht an. Auf Basis der Empfehlungen im Reiseführer-Buch machten wir uns dann durch das spärlich beleuchtete Ortschaft auf Hotelsuche. Unsere Präferenz – das Guesthouse des Tea Research Institutes – hatte im Vorfeld schon eine telefonische Buchung abgelehnt da das Guesthouse vollständig durch Mitglieder des Parlaments belegt war. Auf dem Weg zum ersten Hotel sprach uns ein junger Mann auf Englisch an, bot sich an uns zu den Hotels zu führen und stellte sich dann noch als möglicher Führer für den nächsten Tag vor. Nachdem er uns sein mögliches Programm für den nächsten Tag erläutert hatte starteten wir mit den Preisverhandlungen und wurden dann schnell mit ihm einig. Einen Guide (Führer) hatten wir damit schon mal. Das Hotel United entsprach dann ganz und gar nicht unseren Vorstellungen. Geplant war als nächste Option das Hotel Tea Town. Der Guide schlug uns aber vor erst auch mal das Hotel Taj Mahal anzuschauen. Das war zwar auch nicht gerade so toll aber um einiges besser als das United. Da es doch schon recht spät war und alle müde waren buchten wir hier. Während des Auspackens stellten wir dann noch fest, dass das Wasser nicht ging (was aber behoben werden sollte). Nun gut … wir gingen dann auf die Suche nach etwas Essbarem. Dabei begegneten wir per Zufall dem im Reiseführer beschriebenen Guide und unterhielten uns ein bisschen mit ihm. Er empfahl das Tea Town und die Gesichter der Kinder sprachen auf einmal Bände. So richtig wohl hatte sich im Taj Mahal niemand gefühlt. Langer Rede kurzer Sinn … wir ab ins Tea Town angeschaut, gebucht, im Taj Mahal das Gepäck geholt und eine Nacht leer bezahlt.

Danach haben alle noch ein bisschen ferngesehen (englischer Kanal) und so ging dann auch dieser Tag zu Ende.

Bangladesch – 26. Mai 2009

Am Vorabend hatten wir ja wie schon berichtet in das Hotel Tea Town gewechselt. Dort bekamen wir ein Drei- und ein Zweibettzimmer mit Klimaanlage. Letzteres hat sich dann auch ordentlich auf den Preis niedergeschlagen. Das Zweibettzimmer haben dann Corbinian und ich belegt, das Dreibettzimer Irene mit den Mädchen. Nach der ersten Nacht kann ich erst mal nur sagen, dass der Preis absolut überteuert war da die Klimaanlagen in beiden Zimmern zwar schön Krach machen aber außer dem Lüfter keine weitere Funktion haben – Kälte haben die Dinger auf jeden Fall nicht produziert. Unser Bad war außerdem so dreckig, dass wir das Damenbad im Nachbarzimmer bevorzugt haben – die ihres aber auch nicht zum Duschen benutzt haben. Beide Zimmer hatten auch so gut wie keine Frischluftzufuhr und so war die Nacht nicht so wirklich der Brüller. Nun gut … das Tea Research Institute hatte halt nun mal keine Zimmer und in die noch teurere Oberklasse wollten wir ja nicht.

Nach dem kurz Frischmachen gingen wir dann raus da das Hotel ohne Frühstück ist. Auf der Straße haben wir zwar kurz geschaut aber nicht gleich etwas gefunden. Dafür stand unser Führer pünktlich kurz vor 8:00 Uhr mit unserem Minibus und Fahrer bereit. Wir einigten uns, dass wir später unterwegs anhalten um Rast zu machen und fuhren los.

Erste Station war ein Waldgebiet das durch Renaturierung wieder ein bisschen seines ursprünglichen Aussehens zurückgewonnen hat. Lt. den aufgestellten Schildern war US-AID zumindest daran beteiligt wenn sie es nicht sogar ganz gemacht haben. In diesem als „Rain Forest“ (Regenwald) bezeichneten Naturschutzgebiet kann man Wanderungen unterschiedlicher Größe machen. Da wir an dem Tag noch vieles anderes sehen wollten wurde die kurze Tour gewählt. Auf einem schön angelegten Pfad wanderten wir also durch diesen Wald in dem es Affen, Papageien und anderes Tier in freier Wildbahn zu bestaunen gibt. Lt. unserem Führer verstecken die sich bloß leider alle bei Regen … und den hatten wir durchaus. Außer der Pflanzenwelt – z.B. wirklich dicke und hohe Bambusgewächse – sahen wir also erst mal nichts.

Regenwald bei Srimangal
Regenwald bei Srimangal

Nach ca. ein bis zwei Kilometern kamen wir zu einem der indigenen Dörfer die es in dieser Gegend gibt. Indigen deshalb weil die dort lebenden Menschen nicht zum Volk der Westbengalen gehören sondern vor etlichen Jahrhunderten (vor der Zeit der Mogule) von Indien aus zugewandert sind und sich einen Teil ihrer Identität bis heute erhalten haben. Außerdem gibt es nicht nur einen derartigen idigenen Stamm in der Gegend sonder gleich mehrere. Das aktuelle Dorf gehört einem Stamm der mit eigenen Plantagen als recht wohlhabend gilt. Für uns auffallend war die im Gegensatz zum sonstigen Bangladesch überraschende Sauberkeit, sowohl der Einwohner als auch der Häuser und Wege in diesem Dorf.

Auf dem Rückweg sahen wir dann bereits viele Papageien die über den Baumwipfeln hinweg- bzw. aufflogen als wir darunter hinweg gingen. Unser Führer machte uns auch plötzlich auf einen Affen aufmerksam der in einem der Bambusbäume herum turnte. Während unserer Beobachtung des Tiers gesellten sich dann noch zwei weitere dazu. Ein schönes Erlebnis diese Tiere auch einmal in ihrer eigenen Umgebung zu sehen anstatt im Zoo.

Weiter ging es zu einem anderen indigenen Dorf. Nach Anmeldung beim Chef des Dorfs schlenderten wir auch hier durch. Abgesehen davon, dass wir auch eine Kirche stießen weil es sich um Christen handelt war hier nichts weiteres außergewöhnlich.

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Als nächste Station stand ein See auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin gab es dann aber erst mal zwei nicht geplante Einlagen. Die erste bestand darin, dass wir einem Elefanten begegneten. Die werden hier noch wirklich als Arbeitstiere eingesetzt und einer davon war am Straßenrand angekettet.

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Die zweite Überraschung war auf einmal die laut schreiende Martha. Sie hatte einen Wurm in einer ihrer Sandalen entdeckt und turnte entsetzt und angeekelt auf der Rücksitzbank herum. Sie riss sich die Sandale vom Fuß und schrie ziemlich. Zwischen ihren Zehen war Blut und Dreck und wir gingen erst einmal davon aus, dass sie den Wurm zermatscht hatte. Martha war nur mit Mühe zu beruhigen, behielt die Füße aber oben und weigerte sich ihre Sandalen wieder anzuziehen. Irene verlangte dann irgendwann einen Stopp des Wagens weil immer mehr Blut auf dem Fuß von Martha war und wir überprüfen wollten woher das eigentlich kommt. Nachdem wir erst mal alles Blut weg gespült hatten war nichts mehr zu sehen außer einer kleinen Stelle aus der das Blut kam. Unser Führer erklärte uns, dass Martha von einem Blutegel gebissen worden war und die Blutung nicht so schnell aufhört. Mir fiel dann ein, dass die Dinger irgendeinen Blutgerinnungshemmer einspritzen was wohl die Ursache sein dürfte. Der Führer verschwand dann im Dorf und kam nach ein paar Minuten mit einem Wattebausch auf dem eine braune Substanz war. Die war wohl ein Gerinnungsmittel denn Martha sollte das zwischen die Zehen auf die gebissene Stelle pressen und das half dann auch. Gespürt hatte Martha gar nichts was aber wiederum daran liegen dürfte, dass die Viecher auch ein Schmerzmittel beim Biss einspritzen. Nun gut … Martha hatte erst einmal mehr als genug und ekelte sich ohne Ende.

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Nach diesen ungeplanten Ereignissen kamen wir dann zu dem besagten See. Nett … aber für uns seeverwöhnte Bodenseeanrainer und Oberschwaben nichts wirklich besonderes.

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Bei der Weiterfahrt gab es erneut einen Elefanten – dieses Mal offenbar auf dem Weg zur Arbeit und deshalb beritten. Ich ließ den Bus kurz anhalten und schoss ein paar Fotos. Der Elefantenreiter rief noch etwas, ich winkte zum Abschied und ging wieder in den Bus. Tja … weit gefehlt … der Reiter wollte für das Foto ein paar Taka. Dazu blockierte er mit dem Elefant den Bus, unser Führer holte ein paar Taka hervor, der Elefant kam mit dem Rüssel ins Auto um das Geld abzuholen, unser Fahrer verschwand halb unter dem Lenkrad und dann war es vorbei. Wir konnten weiter fahren.

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Nun ging es weiter da wir endlich was zum Essen haben wollten. Die Fahrt führte uns zu einem bengalischen Imbiss am Straßenrand und dort versorgten wir uns mit Trinken (Cola, Sprite und Zitronentee) und Essen. Wohl gestärkt ging es nun zu einer Ananasplantage. Im Vorfeld rätselten wir schon alle wie diese Pflanzen wohl aussehen würden. Wir kannten nur die Frucht aber keiner wusste wie die Dinger wachsen. Die Vermutungen gingen in Richtung eines Baums. Tja … weit gefehlt – Ananas wachsen als Blüte aus einem Gewächs das mich an so diverse stachlige Kakteen in meines Vaters Garten erinnert. Es sind ziemlich feste und an den Rändern stachlige Pflanzen.

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Bevor wir in der Plantage auf einen kleinen Hügel zum Wachhaus hoch kletterten, nahm unser Führer noch eine Limette von einem Baum mit. Außerdem lies er uns an dem tollen Duft teilhaben den ein zerriebenes Limettenblatt ausströmt. Oben bei der Wache angekommen holte diese aus einem Stapel richtig gelber Ananas eine ganze Anzahl und begann sie mit seinem Messer zuzubereiten. Im Endeffekt erhielt jeder fürs erste eine halbe Ananas die vorab von der mitgebrachten Limette beträufelt wurde. Der Geschmack … WAHNSINN … die Ananas war so weich wie noch nie eine in meinem Leben (und ich liebe die Dinger). Man spürte die Fasern des Fruchtfleischs kein bisschen. Es war im Mund nur süß, mit der leichten Würze der Limette. Sogar der Strunk den man normalerweise nie essen kann war hier essbar! Alle von uns die Ananas mögen haben sich für wenige Taka an den Ananas satt gegessen. Auch der Ausblick von hier oben war herrlich und so genossen wir auch den noch ein wenig.

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All zu lange ging das aber nicht weil die ganze Zeit schon heftige Wolken aufgezogen waren und so langsam klar war die regnen sich über uns aus. Unser Führer drängte uns den steilen Hang noch vor dem Regen runter zu kommen weil wir es sonst ohne rutschen gar nicht mehr schaffen. Gesagt getan und dann ging auch schon ein Monsunregen über uns und der Landschaft nieder. Wir kamen schon halb nass im Bus an und fuhren dann erst mal wieder zum vorherigen Imbissstand um dort den Regen abzuwarten. Die einhergehende Abkühlung war ebenfalls herrlich.

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Nach dem Ende des Regens ging es wieder weiter, dieses Mal zu einer Kautschukplantage. Die war zwar wegen der Regenzeit nicht in Betrieb aber die Schnitte in den Bäumen, die Auffangbehälter und auch getrockneten Kautschuk konnten wir bestaunen. Kautschuk riecht dann wie wenn man die Luft aus einem Fahrradschlauch lässt – ziemlich stinkig.

Nächste und vorletzte Station war dann eine Teeplantage. Doch bevor wir dort ankamen gab es erneut Geschrei von Martha. Sie hatte schon wieder einen Blutegel am Fuß. Dieses Mal an der Fußsohle. Ich habe dann versucht sie von dem Teil zu befreien was aber nicht sonderlich einfach ist. Man muss es richtig fest packen und heftig ziehen da es sich mit den Beißwerkzeugen offenbar gut festhält. Ich hatte Angst, dass es mir in den Fingern platzt oder reißt … aber die halten echt was aus. Irgendwann hat er dann losgelassen, ich ihn auch und somit verschwand er wieder im Auto. Na super :-(.

Danach konnten wir dann die Teeplantage besichtigen. Auch hier mal interessant zu sehen woher der Tee kommt. Bengalischer Tee geht wohl vor allem nach England und natürlich ins eigene Land.

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Die letzte Station war dann ein Teeimbiss in dem man von vier- bis zu sieben Farben-Tee kaufen konnte. Dabei werden verschieden Teesorten mit offenbar unterschiedlicher Dichte so eingeschenkt, dass sie als farblich unterschiedliche Schichten im Glas erhalten bleiben. Die verschiedenen Schichten haben dann auch einen unterschiedlichen Geschmack – von normalem Schwarztee, über Zitronentee, Ingwertee, usw..

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Der Fahrer durchsuchte außerdem das Auto und fand endlich einen der mistigen Blutegel. Mit Salz wurde er dann unter allgemeiner Anteilnahme der umher stehenden Bangladeschi vernichtet.

Damit beschlossen wir die Rundfahrt obwohl unser Führer noch weitere Programmpunkte wie Souvenirshops und einen Zoo anbot. Die Eindrücke reichten aber und müde waren auch langsam alle. Nach der Rückkehr ließen wir uns noch in ein bengalisches Restaurant bringen und aßen dort zu Abend. Meine bescheuerte Idee ebenfalls mit den Händen zu essen war dann evtl. die Ursache für Magen-Darmkrämpfe und netten Durchfall einen guten Tag später.

Zurück im Hotel versuchen wir dann mit Öffnen der Fenster zum Gang ein bisschen Luft für die Nacht zu bekommen. In unserem Zimmer fiel zu allem Überfluss noch der Ventilator aus und so mussten wir die ganze Nacht die lärmende Klimaanlage nur wegen deren Lüfter laufen lassen. Gute Nacht!

Bangladesch – 27. Mai 2009

Nach dem Aufstehen um ca. 7:30 Uhr wurden alles gepackt und wir verließen das Hotel. In der Rezeption lag der „Hotelmanager“ noch in tiefem Schlaf und erwachte erst als wir schon mindestens eine Treppe weiter unten waren. Akustisch vermeldeten wir unseren „Check-out“ und gingen weiter um zu sehen ob wir noch irgendwo etwas zum Frühstücken fanden. In einem kleinen Restaurant erwarben wir dann noch fünf der typischen gebackenen u. frittierten Brotfladen und ein Stück weiter einen Büschel Bananen.

Anschließend ging es zum Bahnhof an dem wir recht schnell von einer wirklich riesigen Menschentraube umgeben waren. Dieses Mal wurde es sogar den sonst apathisch wirkenden Wachen zu viel und sie verjagten mehrmals die Ansammlung um uns herum. Der Zug kam dann mit leichter Verspätung und wir machten uns auf die Suche nach unserem 1. Klasse Abteil. Gleich beim ersten Schaffner – den ich eigentlich nur auswählte um zu erfahren wo denn unser guter Wagen sei – war ich leider richtig. Der 1. Klasse Wagen mit Klimaanlage war in diesem Zug nicht verfügbar (was ich am Vortag beim Kartenkauf schon erfahren hatte) und der ohne Klimaanlage war ein ziemlicher Rumpelwagen mit offenen Fenstern damit wir wenigstens Fahrtwind hatten. Zumindest unsere Sitzplätze waren reserviert und so wurden die dort bereits sitzenden Bangladeschis vom Schaffner vertrieben.

Da das Fenster geöffnet war hatten wir dieses Mal keinerlei Sichtbehinderung und es gab auf der langen Fahrt doch das eine oder andere Schöne zu sehen. Auch mit einem Bengali kam ich wieder ins Gespräch. Nach über fünf Stunden bei „guten“ Temperaturen war Dhaka endlich erreicht und es ging wieder heim zu Korsheds Haus. Dort nach drei Tagen erst einmal alle unter die Dusche und zu sonstigen Hygiene-Maßnahmen.

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Am Abend verabredeten wir uns mit Laura zu einem Abendessen im Pizza-Hut. Der ist voll klimatisiert (ich vermute mal auf ca. 20 oder 22 Grad) und die ersten Kinder froren wie die Schneider. Ansonsten erinnert einem im Inneren außer den Gästen und der Bedienung nichts mehr an Bangladesch – die Firmenphilosophie ist voll umgesetzt. Alle bestellten nach Herzenslust mal wieder das was sie wollten (bis auf Corbinian der seine geliebte Salamipizza mit einer Rinderpizza vertauschen musste da es so etwas in einem muslimischen Land natürlich nicht gibt).

Für eine Geburtstagsfeier am nächsten Tag war Laura davon abgesehen schon den ganzen Tag damit beschäftigt die unterschiedlichsten „Happy-Birthday“-Ständchen aufzunehmen. Alle möglichen Bangladeschis auf der Straße, im Haus und natürlich auch wir hatten dafür schon herhalten müssen. Nun war noch die Belegschaft von Pizza-Hut an der Reihe. Der wurde erklärt, dass Irene angeblich Geburtstag habe und die Firmenphilosophie verlangt der Belegschaft dann ein Ständchen ab! Das haben die dann auch lauthals umgesetzt und Irene musste gute Miene zum Spiel machen während Laura das Geschehen für ihre Videosammlung filmte.

Bangladesch – 28. Mai 2009

Heute Morgen hat Laura ihre Geschwister abgeholt um ihnen einen Teil ihrer Arbeit an einer Schule in Dhaka zu zeigen. Irene hatte davor mit der Haushälterin des Hauses schon ausgemacht, dass sie gerne einmal mit ihr zum täglichen Einkauf auf dem Markt gehen würde. Ich selbst hatte mir die Option offen gehalten auszuschlafen oder auch mit den Kindern zur Schule zu gehen. Da ich dann am Morgen das erste Mal in Bangladesch doch heftiges Rumoren im Magen-/Darmtrakt hatte beschloss ich am Morgen liegen zu bleiben.

Irene kam dann als Erste wieder nach Hause und berichtete begeistert von ihrem Marktbesuch. Der Markt liegt wohl ziemlich verwinkelt und für uns nicht leicht zu erreichen mitten in einem der Viertel. Es ist wohl ein ziemlich buntes Treiben mit allerlei Obst, Gemüse, Fleisch (wie wir es schon in Old Dhaka gesehen hatten) und Fischen. Letztere dann noch nicht tot um den potentiellen Käufern auch tatsächlich die Frische der Ware live demonstrieren zu können. Tscheina hatte es durch die Begleitung von Irene aber offenbar recht schwer die normalen Preise zu bekommen und so vermutet Irene, dass es heute ein eher teurer Einkauf war.

Auf dem Rückweg stellte China dann Irene noch zwei ihrer Söhne vor. Sie hatte uns schon erzählt, dass der Älteste behindert sei und das für sie ein großes Problem darstellt. Wie es sich nun herausstellte ist er offenbar zumindest taub oder sogar taubstumm. Erzählt hatte sie noch von einem Problem am Bein. Die beiden Söhne arbeiten in einem kleinen Kiosk nicht weit von unserem Haus entfernt. Irene hat dann dort Süßigkeiten für unsere Kinder eingekauft um ein wenig für Umsatz zu sorgen. China hat Irene dann auch noch kurz die Gegend gezeigt in der sie wohnt – ebenfalls nicht weit entfernt.

Gegen Mittag hat Laura dann angerufen und uns gesagt, dass die Kinder alle bei ihr sind, mit Spaghetti wohl abgefüllt sind und sich nun eher langweilen. Um 17:00 Uhr war dann im Goetheinstitut von Dhaka ein Kinderfilm angekündigt und so fuhren wir dann erst mal zu Laura weil das in der Nähe ist. Nach einigen UNO-Spielen ging es dann zum Goetheinstitut. Nach den Securitywachen (trotz Metallscanner haben die nicht mal meinen Schlüsselbund in der Tasche gefunden) ging es dann in den Vorführraum. Wir waren erst mal alleine, erst nach Filmstart kamen dann weitere Zuschauer. Wir waren ziemlich überrascht als der Film begann – chinesische Sprache mit englischen Untertiteln! Komisch für ein deutsches Kulturinstitut fanden wir, aber gut … . Nachdem sich die Kids nicht so wirklich dafür erwärmen konnten und Martha sowieso so gut wie nichts verstehen konnte haben wir die Vorstellung dann recht schnell verlassen und sind auf die Dachterasse gegangen. Dort tummelten sich dann einige jugendliche Bangladeschis die aber von uns weniger Notiz nahmen und uns überraschend ignorierten. Genrell waren wir überrascht wie wenig deutsche Identität das Goetheinstitut ausstrahlte. Nach ein paar Colas und Sprites beschlossen wir dann uns auf dem Weg zum „großen Einkaufszentrum“ New Market zu machen.

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Auf dem Weg dorthin gerieten wir in den schlimmsten Rikschastau den wir bis dahin erlebten und beschlossen den Rest des Wegs zu Fuß zurück zu legen.

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Der New Market entpuppte sich dann als ein großes Verkaufsgebiet das aus lauter kleinen Lädchen besteht. Sehr angenehm war, dass es hier keinerlei Fahrzeuge gab und wir uns zum ersten Mal ungestört von Gehupe und Geklingel (und vor allem ohne die damit verbunden Gefahr über den Haufen gefahren zu werden) bewegen konnten. Wir schlenderten also in alle Gemütsruhe durch das Menschengewirr von Laden zu Laden. Gelegentlich interessierten wir uns für eine Ware und waren dann sofort von einer Menschenmenge umgeben. Unter anderem verfolgte uns ein sehr sympathisches Kind das uns partout Topflappen verkaufen wollte (mind. eine Stunde lang). Bei den Waren die wir dann wirklich kauften (Leuchtsterne, endlich eine passenden Diesel-Gürtel für Corbinians Hosen, Tops für die Mädchen und wunderschöner Stoff für Kleider von Irene) zeigte sich dann, dass in mir und zumindest auch bei Clara doch einiges von den Verhandlungsfähigkeiten der Oma Elisabeth steckt. Wir versuchten die Preise (ganz offenbar die für Ausländer) wieder auf ein normaleres Maß zu bekommen. Ich denke die Händler sind immer noch ganz gut weggekommen … aber wir haben unser Geld auch ganz gut verteidigt. Clara zeigte sich auch mir gegenüber ganz klar überlegen. Bei ihr waren die Händler glaube ich froh wenn sie überhaupt was kaufte und arg viel über dem Einheimischenpreis kann das auch nicht mehr gewesen sein. Den gesamten Einkauf über wurden wir von unserem tapferen Topflappenverkäufer begleitet. Irene verteidigte ihn fortlaufend gegen die Händler und die Wachen die ihn wie die anderen Bettlerkinder mit Stöcken verjagen wollte. Zum Dank hielt er uns die anderen Kinder vom Leib und wurde dafür zum Abschluss mit 20 Taka belohnt.

Zu Hause wartete dann eines der guten Essen von Tscheina auf uns. Die Kids hatten mal wieder keinen Hunger (da es bei Laura wohl viel Spaghetti gab) und so hatten Irene und ich viel zu Essen. Überraschend konsumierten die Kids dann später noch die Schoko-Frühstücksflocken.

Den Abschluss des Tages bot eine gemütliche Runde mit unserem Gastgeber Korshed – der nebenbei auch noch UNO spielen lernte. Wir kamen heute sehr gut mit ihm über seine vielfältigen Tätigkeiten ins Gespräch. Er steckt wohl maßgeblich hinter den Kampagnen gegen Tchibo, Lidl, Kik und weitere deutsche Größen die für Spottpreise Textilien aus Bangladesch verkaufen und sich nicht genügend um die hiesigen Arbeitsbedingungen kümmern bzw. kümmerten. Lt. Korshed führen diese Kampagnen offenbar aber doch nach und nach dazu, dass zumindest gelegentlich eine Verbesserung eintritt.

Bangladesch – 29. Mai 2009

Nachdem die Kinder heute ziemlich lange geschlafen haben gab es noch die bewährten Pfannkuchen zum Frühstück. Heute drängte es niemand so richtig zu Aktivitäten, u.a. weil es Morgens wieder sehr heiß war. In frühen Nachmittags-Stunden gab es dann heftigen Wind der in den Häuserschluchten zu einem regelrechten Sandsturm führte. Es zogen heftige Wolken auf und wir freuten uns alle schon auf eine Abkühlung. Die Wolken verzogen sich aber wieder und der Wind legte sich. Nachdem wir in der unteren Wohnung bei Korshed ein bisschen Mittagessen hatten stellten wir fest, dass es nun doch klammheimlich begonnen hatte zu regnen. Außerdem gab es eine deutliche Abkühlung. Es waren „nur“ noch knapp 30 Grad – für uns zwischenzeitlich schon kühl! Nachdem Irene und ich uns den ersten Kaffee gegönnt hatten planten wir kurzentschlossen den Besuch in der Hindu Street.

Nach der Motivation unserer Kinderschar machten wir uns mit einem gelben Taxi auf den Weg. Das Ding hatte doch tatsächlich Klimaanlage und so kamen wir wirklich gut erholt nach relativ kurzer Zeit in Old Dhaka punktgenau am Eingang der Hindu Street an. Die Fahrt war zudem mit 150,- Taka auch noch überraschend billig.

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Die Hindu Street selbst ist eine ziemlich enge Gasse. Mit gutem Willen schaffen es zwei Rickschas gerade noch so aneinander vorbei zu kommen – was die aber nicht davon abhält hier auch in Scharen durch zu fahren. Wie der Name der Straße schon sagt gab es hier vornehmlich handwerkliche Läden die offenbar von Hindus betrieben und von eben solchen besucht werden. Neben religiösen Dingen fielen uns vor allem unzählige Händler auf die Armreife verkauften. Nachdem wir zuerst den Verdacht hatten diese wären womöglich aus Elfenbein gefertigt, klärte ein Händler uns dann mit dem Verweis auf eine große Muschel über das tatsächliche Material auf. Außerdem gab es viele Handwerker die klavier- bzw. orgelähnliche Musikinstrumente bauten in deren Inneren die Töne durch Metallzungen erzeugt werden. Außerdem auffallend die besondere Bauart der Häuser von denen man uns schon erzählt hatte. Die Häuser sind nämlich gerade mal einen guten Meter breit und gehen weit nach hinten und nach oben. Neben dem Gang und dem Treppenhaus sind offenbar wie Kojen die Aufenthaltsräume bzw. Schlafstätten der Bewohner (das haben wir aber nicht gesehen).

Am Ende der Straße lag dann noch eine Kirche die aber leider geschlossen war. So ging es – wieder mit einem der guten gelben Taxis – nach Hause. Ich frage mich nur ob der Taxameter präpariert war da die gleiche Fahrt dieses Mal 230,- Taka kostete.

Für das Abendessen hat heute Irene die Rolle von Tscheina übernommen und nach kurzer Wartezeit gab es Nudeln mit Ketchup – ein Essen das dann auch unsere Kinder klaglos konsumierten.

Bangladesch – 30. Mai 2009

Seit Tagen wurde von unterschiedlichen Seiten der Gesamtaufenthalt als zu lange angesehen. Die Hitze und der Mangel an Sehenswürdigkeiten bzw. Aktivitäten hatte bei dem einen od. anderen schon zum Schwelgen eingeladen wie schön es jetzt doch im Freibad wäre. Da nun auch der Ausflug in die Bandarbans vorerst gescheitert war (man benötigt eine Erlaubnis der Regierung und die Beantragung dauert mind. 3 Tage) und sich wie gesagt allgemein etwas Frust breit gemacht hat, stellten wir nach dem Frühstück den Kids die Option vor die Flüge umzubuchen. Das ist zwar alles andere als billig, aber wir haben uns dann doch dafür entschieden. Irene war die Einzige die noch gerne länger geblieben wäre.

Als erster TOP ging es dann also zu Emirates um die Rückflüge auf den 2. Juni umzubuchen. Das hat soweit auch alles geklappt – nur die Bahntickets konnten nicht umgebucht werden, weder von Emirates noch vom Reisebüro in Ravensburg die wir per Handy kontaktiert hatten. Offenbar geht das erst wenn man direkt in Deutschland ist am Servicepunkt der Deutschen Bahn.

Anschließend sind wir mit Emilie und Laura in Gulshan einkaufen gegangen. Einerseits für uns selbst, andererseits für die Mitbringsel da die Abreise seit heute auf einmal relativ nahe war.

Als dann allen der Magen in den Kniekehlen hing haben wir beschlossen etwas Essen zu gehen. Laura kannte ein nettes und gutes Cafe. Nur Martha und ich kamen an der Berlin Bakery nicht vorbei.

Martha hat die dortigen Pommes Frites gut vertragen, ich meine fritierten Hühnchenteile nicht – das Andenken blieb mir noch einige Tage in Form von Magenkrämpfen und Durchfall. Irgendwann muss ich das Kaufen von so Zeug an Straßenständen wohl doch sein lassen. Das Essen im Cafe war dafür um so besser und es gab auch leckere Schoko-Joghurt-Drinks (und Internet für die Kids).

Bangladesch – 31. Mai 2009

Nachdem wir einen großen Teil des Tags vertrödelt hatten (es ist hier aber auch elend heiß) beschlossen wir am Nachmittag noch einen Besuch im Ashan Manzil (auch Pink Palace genannt). Dieser Palast der ehemaligen Herren von Dhaka – den Nawabs – liegt am Ufer des Buriganga und man kann sich noch sehr gut vorstellen welche Pracht das früher gewesen sein muss als der Fluß noch ansehlich war.

Blick vom Pink Palace auf den Buriganga
Blick vom Pink Palace auf den Buriganga

Schon vor Beginn des 20. Jahrhunderts (so ca. 1871) hatten die Nawabs bereits eine funktionierende Wasserversorgung mit Filtern und Rohrsystemen für das Gebiet des heutigen Old Dhaka. Im Inneren des Pink Palace gibt es einiges an Ausstellungsstücken und Bildern. Damals erlebte dieses Gebiet ganz offensichtlich eine Blütezeit von der heute leider nicht mehr viel zu sehen ist.

Nachdem ein Monsunregen eine schöne Abkühlung verursacht hatte (so auf ca. 29 Grad ) beschlossen wir noch zu Fuß in das Gassen- und Straßengewirr von Old Dhaka einzutauchen um die Bycicle Street aufzusuchen. In dieser Straße sollte es lt. Lonely-Planet-Reiseführer schöne Souvenirs der Rickschakunst geben. Nach langer Suche fanden wir die Straße, konnten aber auch mit Hilfe von Passanten und Händlern nichts wirklich Schönes auftreiben. Hier hat der Reiseführer offenbar übertrieben.

Um nun noch ein Taxi zu finden durchquerten wir Old Dhaka vollends. Das war zwar ein ordentlicher Fußmarsch aber es gab auch einiges Interessantes zu sehen – z.B. das Viertel mit Papierhändlern oder wie hier zu sehen das Viertel mit Reishändlern.

Reishändler in Old Dhaka
Reishändler in Old Dhaka

Nachdem wir wieder glücklich zu Hause angekommen waren ging es dann auch gleich wieder los zu Laura. Heute abend wollte sie uns zum Abendessen zu einem Inder ausführen. Das Essen dort war prima und so ging auch dieser Tag zu Ende.

Bangladesch – 1. Juni 2009

Der letzte volle Tag in Bangladesch ist angebrochen. Nach einem üppigen Pancake-Frühstück von China haben wir uns schon mal alle von ihr verabschiedet da wir vermutlich erst nach Hause kommen wenn sie schon weg ist.

Anschließend ging es erst mal mit dem GNC wieder rein in das Verkehrsgewühle von Dhaka.

Ziel war der New Market um für den weiblichen Teil der Familie noch nach Saris und für die Familien in Deutschland noch Mitbringsel zu kaufen. Dort bereits teilweise erfolgreich gingen wir gleich noch in die Geschäfte außerhalb des New Markets – u.a. ein Schuhgeschäft. Für den weiblichen Teil der Familie wieder erfolgreich, für Corbinian und mich nicht … Schuhgröße 46 od. 47 hat hier kein Mensch.

Und weiter ging die Shopping-Tour in das größte Einkaufszentrum von Dhaka – den Bashundhara City Komplex. Mit acht Stockwerken und mehreren hundert Geschäften ist das schon wirklich ein ziemlich großes Ding. Kurzfassung: Mädels wieder erfolgreich, Jungs nicht.

Kuppel des Bashundhara City Gebäudes
Kuppel des Bashundhara City Gebäudes

Nächster Programmpunkt sind Henna-Bemalungen … natürlich … bei den Mädels . Wir sind also erst mal alle zu Laura weil sie die Hennamalerin kennt. Corbinian und ich haben uns an der Stelle aber ausgeklinkt und sind mit Gepäck von Laura schon mal nach Hause zu Korshed. Unter Männern haben wir dann schon mal den Abschied zelebriert.

Irgendwann kamen dann auch der Rest der Familie und so ging der Tag langsam zu Ende. Morgen früh steht um 10:15 Uhr unser Abflug nach Deutschland (via Dubai nach Frankfurt) auf dem Programm. Wir werden so gegen 7:15 bwz. 7:30 Uhr aufbrechen.

Bangladesch – 2. Juni 2009

Das Ende des Aufenthalts bzw. Urlaubs in Bangladesch war erreicht. Der Abflug war zwar erst um 10:15 Uhr, aber da Korshed meinte es wäre sinnvoll wirklich 2 Stunden vor dem Abflug am Flughafen zu sein mussten wir entsprechend früh raus. Korshed hatte uns für 7:15 Uhr einen Minibus als Taxi bestellt und so klingelte der Wecker schon um 6:30 Uhr. Irene hatte in der Nacht schon alles gepackt und so ging es nur für alle darum sich selbst noch zu richten. Laura hatte auch bei Korshed geschlafen um auch mit uns zum Flughafen zu fahren.

Da China so früh noch nicht da ist ging es dann ohne Frühstück runter um auf unser Taxi zu warten. Das kam dann erst so gegen 7:45 Uhr und brachte uns dann ein letztes Mal durch das Verkehrsgewühl von Dhaka zu unserem Bestimmungsort – dem internationalen Flughafen von Dhaka. Die Abfertigung dort ging dann sehr schnell von statten und wir hatten noch genügend Zeit um uns an einem Kiosk noch ein „Frühstück“ in Form von Cola und Chips zu besorgen. So verbrachten wir die letzten Stunde(n) zusammen mit Laura die gerne mitgeflogen wäre. Unaufhaltsam ging es dann aber dem Abschied entgegen …

Wir freuen uns schon alle wenn Laura dann Mitte des Jahres auch wieder heimkommt!

Unsere Emirates-Maschine (Boeing) von Dhaka nach Dubai
Unsere Emirates-Maschine (Boeing) von Dhaka nach Dubai

Heimreise von Dhaka (via Frankfurt):

  • Abflug: Dhaka 10:15 Uhr mit EK583
  • Dubai an: 13:05 Uhr
  • Dubai ab: 14:30 mit EK047
  • Ankunft: Frankfurt 19:20 Uhr am 2. Juni 2009
  • Meckenbeuren am 3. Juni 2009 um 0:40 Uhr

Um ca. 1:00 Uhr waren wir dann in Tettnang und wurden freudig von unseren Katzen begrüßt. Glöcklers hatten uns für den ersten Heißhunger noch diverse gute Sachen hingerichtet (Bananen, Kekse, Äpfel, Süßigkeiten, …) und so konnten es sich alle je nach persönlichen Vorlieben gleich noch gut gehen lassen (mache gingen erst mal wieder schön Duschen :-) ).

Nach über 22 Stunden Reisezeit fielen dann alle der Reihe nach ins Bett und so ging die Reise dann zu Ende.
The end