Bangladesch – 2009

Unsere Ă€lteste Tochter Laura startete im September 2008 ein Jahr als Freiwillige bei NETZ e.V., einer Organisation die in Bangladesch tĂ€tig ist. In den Pfingstferien 2009 besuchten wir Laura. Über diese Seiten haben wir fĂŒr uns und den Daheim gebliebenen die Reise dokumentiert.

Los ging es zuerst mit der Deutschen Bahn von Meckenbeuren via Ulm nach MĂŒnchen, dann per Emirates Airlines von MĂŒnchen via Dubai nach Dhaka – der Hauptstadt der Volksrepublik Bangladesch – wo wir in den frĂŒhen Abendstunden ankamen.

Umsteigen in Dubai - 20.5.21009
Umsteigen in Dubai – 20.5.21009

Am Zia International Airport von Dhaka holte uns Laura zusammen mit Peter – einem anderen Freiwilligen von NETZ ab. Unsere geheim gehaltene Überraschung, dass nicht nur wir Eltern sondern auch ihre drei Geschwister kommen, fiel leider nicht ganz so ĂŒberraschend aus da unser „Vermieter“, der uns auch die Einladung nach Bangladesch geschrieben hatte, sich doch ein klein wenig verplappert hatte. Der Hinweis – there will be a big surprise – hatte Laura ĂŒber die Wochen dann doch ausgereicht um Vermutungen zu dieser großen Überraschung anzustellen. So war sie sich zwar nicht ganz sicher, hatte aber schon eine Vermutung od. Hoffnung wer die „drei Kollegen aus Esslingen“ den wohl in Wirklichkeit sein könnten. Nun gut … ein kleinerer Teil der Überraschung blieb trotzdem ĂŒbrig.

In einem Minibus ging es nun auf die Reise zur Innenstadt von Dhaka bzw. unserer Unterkunft. Insbesondere Irene und die Kids bekamen dabei ihre ersten EindrĂŒcke vom Verkehr in so einer Stadt (ich kannte das so ungefĂ€hr schon von meinen Aufenthalten in Indonesien). An diesem Abend folgte noch ein Abendessen, eine GrundeinfĂŒhrung in das Leben von Bangladesch sowie den ModalitĂ€ten in unserer Unterkunft und dann fielen alle mehr oder weniger erschöpft in die Betten.

Bangladesch – 21. Mai 2009

Den ersten Tag in Bangladesch bzw. in Dhaka begannen wir mit einem FrĂŒhstĂŒck in unserem GĂ€stehaus. Der Begriff „GĂ€stehaus“ trifft es allerdings nicht so ganz. Der Bangladeshi Korshed Alam leitete selbst eine NGO (Non Governmental Organisation) namens Alternative Movement for Resources and Freedom Society (AMRF) und hat im betreffenden Haus in zwei Stockwerken seine BĂŒrorĂ€ume, sein eigenes Zimmer und weitere Zimmer die er vermietet. Insgesamt könnte man die Unterkunft als eine Art Wohngemeinschaft mit dem EigentĂŒmer, seiner Hausangestellten und seiner Haushaltshilfe/Köchin China (aussprechen als wĂ€re das Wort Englisch, also Tscheina) und seinen Angestellten beschreiben.

Korshed engagierte sich sehr fĂŒr die Verbesserung der ZustĂ€nde in seinem Land. Bei etlichen GesprĂ€chen mit ihm konnten wir sehr viel Details ĂŒber sein Land und die ZustĂ€nde erfahren – es gab eigentlich kein Thema in dem er nicht Bescheid wusste. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit waren z.B. die Arbeitsbedingungen der BeschĂ€ftigten in der bengalischen Textilindustrie. Hier werden meist fĂŒr einen Hungerlohn und unter ĂŒbelsten Bedingungen die fĂŒr uns in den Industriestaaten so gĂŒnstigen Kleider hergestellt. Ich kann nur empfehlen sich zur Arbeit von Korshed ebenfalls zu informieren. Dieser Google-Suchlink liefert genĂŒgend Quellen.

Nach dem FrĂŒhstĂŒck ging es erst einmal auf eine dringend notwendige Einkaufstour. Damit Irene, Clara und Martha in der bengalischen Straßenwelt nicht schon bzgl. der Kleidung auffallen, wollten alle mit landestypischer Kleidung ausgestattet werden. Ein weiterer Grund hierfĂŒr war, dass diese Kleidung auch bei der großen Hitze angenehmer zu Tragen wĂ€re. Wir hatten deshalb schon keine weitere Kleidung mitgenommen.

Im gleichen Einkaufskomplex befand sich dann auch ein Mobilfunk-GeschĂ€ft. Dort besorgten wir – ok … ich – uns noch eine SIM-Karte fĂŒr den Internet-Zugang. Die Flatrate fĂŒr einen Monat betrug inkl. der SIM-Karte 10,- Euro. Wie sich nachtrĂ€glich herausstellte wurde die Karte dann aber nicht binnen 24 Stunden aktiviert was aber evtl. auch am Wochenende lag (in Bangladesch am Freitag und Samstag) sondern erst drei Tage spĂ€ter zum Sonntag.

Da Laura noch etwas an der Faculty of Fine Art an der University of Dhaka zu erledigen hatte fuhren wir noch dort vorbei und hatten so die Gelegenheit die Fotoausstellung zur Krankheit „ThalassĂ€mie“ zu besichtigen. Letztere kannten wir bis dahin noch nicht! Sie ist offenbar hauptsĂ€chlich im Mittelmeerraum und in Asien verbreitet. Da Blut in Bangladesch nur begrenzt verfĂŒgbar ist und eine Knochenmarkspende fĂŒr die allermeisten Betroffenen jenseits aller finanziellen Möglichkeiten ist, endet der Ausbruch der Krankheit in aller Regel mit dem Tod der Betroffenen im Kindes-, Jugend- oder jungen Erwachsenenalter.

Bei einem Besuch in der NETZ-Zentrale lernten wir dann noch die Mitarbeiter der Organisation vor Ort kennen und erhielten von dort auch leihweise SIM-Karten fĂŒr unser Mobiltelefone. Ohne die wĂ€ren wir gerade in der Anfangszeit verloren gewesen. Relativ wenige Leute außerhalb von NETZ od. der Wohnung von Korshed sprechen Englisch, wir sprechen kein Bangla und so konnten wir uns gerade in der Anfangszeit nur per Mobiltelefon Auskunft, Rat und Hilfe holen.

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Hersteller und VerkĂ€ufer von gekĂŒhltem Zuckerrohrsaft – hĂ€ufig zu sehen

Den Abschluss des Tages genossen wir bei einem Abendessen im Cafe Mango – einem sehr netten, schon eher westlich-europĂ€ischen Cafe.

Bangladesch – 22. Mai 2009

FĂŒr diesen Tag hatte Laura uns eine FĂŒhrung durch Old-Dhaka – die Altstadt von Dhaka – organisiert. Die FĂŒhrungen werden derzeit von einer Gruppe die wohl vor allem aus bengalischen Architekten besteht durchgefĂŒhrt. Ziel dieser Gruppe ist es auf die noch vorhandenen alten historischen Strukturen und Bauten in diesem Gebiet hinzuweisen, damit etwas Geld zu verdienen und evtl. zu verhindern, dass noch mehr dieser GebĂ€ude den neuen hĂ€sslichen Betonklötzen weichen mĂŒssen. Laura hatte die FĂŒhrung schon mitgemacht, uns empfohlen und auf unseren Wunsch auch fĂŒr uns einen Termin fĂŒr 8:00 Uhr vereinbart.

Da Laura selbst aber Arbeiten musste war dies unser erster eigener Trip durch dieses hektische und laute Dhaka. Alleine auf uns gestellt machten wir uns also morgens mutig auf die Reise. Ein am Vortag von Korshed bestelltes Taxi wartete auf uns und fuhr uns ca. 45 Minuten an den vorgesehenen Treffpunkt an der Ecke North-South-Road zu English Road. Es war nun 7:45 Uhr und wir standen erst mal in der Gegend herum. Wie so langsam bereits gewohnt wurden wir recht offen begafft da wir hier so etwas wie ein Weltwunder sind :-). Es wurde 8:00, es wurde 8:05, es wurde 8:10. Den ersten wurde es so langsam mulmig und es kam die Frage auf ob wir ĂŒberhaupt an der richtigen Kreuzung stehen – bengalische Schriftzeichen kann von uns keiner lesen und außerdem sind die Straßen nicht beschriftet (wir werden erst spĂ€ter lernen, dass man sich ein gutes GeschĂ€ft sucht und dessen Reklameschild liest – dort steht das dann drauf :-) )! Nach kurzer Besprechung einigten wir uns also erst einmal darauf, dass wir uns noch keine Sorgen machen weil das halt eine Verabredung nach bengalischer Zeit ist. Um 8:30 Uhr war es damit aber vorbei – die Sorgen nahmen ĂŒberhand und wir kontaktierten mal jemand der aussah als könne er Englisch. Dem war dann auch so und er bestĂ€tigte uns, dass wir an der richtigen Kreuzung stehen. Wir warteten also wieder. Um ca. 8:45 Uhr kam dann ein Mann zielstrebig ĂŒber die Straße auf uns zu und stellte sich als unsere Verabredung vor. Er hatte seit 8:00 Uhr genau diagonal entgegengesetzt gewartet. Nach Telefonaten mit Korshed und Laura hatte er sich dann erkundigt ob es evtl. die Gruppe mit Kindern wĂ€re – damit hatte er nicht gerechnet. Davon abgesehen ein auf Anhieb sehr netter Mann!

Wir also los weil er auch meinte wir mĂŒssen den Zeitverlust ein bisschen aufholen, die Tour sei lang! Ok 
 durch enge, kleine Gassen in der Altstadt die ich sonst nie betreten hĂ€tte ging es an HauseingĂ€ngen und kleinen GeschĂ€ften in das HĂ€usermeer weg von den Hauptstraßen. Erste Station war eine Art Schwimmbad. Wir erfuhren, dass es sich dabei um eine ehemalige große Zisterne handelte in der man das Wasser gesammelt hat. Leider sind die meisten heute zugeschĂŒttet und bebaut. Die Architektengruppe bearbeitet die Regierung und wĂŒrde gerne Cafes, kleine GeschĂ€fte, 
 ansiedeln um hier einen schönen Platz zu schaffen. Derzeit ist in dem Viertel die Bauindustrie zu Hause.

Beim Weitergehen erfuhren wir dann, dass das sowieso immer eine komische Art von Ansammlung eines einzigen GeschĂ€ftszweigs ist. Es gibt nĂ€mlich nicht immer nur eine Art von GeschĂ€ft (z.B. eine Stoffhandlung) sondern wenn schon dann ist das ganze Viertel eine einzige Ansammlung aus Stoffhandlungen. Das war uns bis dahin noch gar nicht so richtig ins Bewusstsein gekommen obwohl es tatsĂ€chlich offensichtlich ist. Das kommt offenbar aus frĂŒheren Zeiten als eben irgendeine Volksgruppe fĂŒr etwas zustĂ€ndig war und die wohnten dann aber auch alle zusammen in einem Viertel.

NĂ€chste Station war das alte Metzger-Viertel. Bis heute sind hier die Metzger beheimatet uns so sahen wir RinderhĂ€lften und sonstige FleischstĂŒcke direkt an der Straße hĂ€ngen. FĂŒr uns, von den Lebensmittelvorschriften verwöhnten EuropĂ€er ein sehr ungewohntes Bild. Abgesehen vom generell etwas verschmutzten Straßenbild sahen die Metzgereien aber schon soweit das dort geht sauber aus. Auf der Straße sprangen die Schafe und Ziegen noch vergnĂŒgt umher und warteten so bis der Bedarf dann ihrem Leben ein Ende setzt.

Danach kamen wir zu zwei Moscheen. Beide Moscheen stammen aus der Zeit als Bangladesch zum Mogulreich gehörte. Der Architekt – hier natĂŒrlich in seinem Reich unterwegs – erlĂ€uterte uns den typischen Baustil der Moscheen mit ihren drei Kuppeln. Er zeigte uns Details in der komplett mit Mosaiksteinchen verkleideten ersten Moschee. Das Material besteht komplett aus kleinen Scherben chinesischen Porzellans, teils vergoldet. Die zweite Moschee (Sternen Moschee – Tara Masjid) war dann kleiner aber auch deutlich Ă€lter.

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Es handelte sich wohl um die erste Mogulmoschee in Dhaka. Zu unser großen Überraschung durften wir die Moschee betreten. Nachdem wir die Schuhe ausgezogen hatten ging es also in das Innere des GebĂ€udes das mit Kacheln verkleidet ist. Der Architekt zeigte uns den ursprĂŒnglichen Teil der Moschee (ebenfalls mit drei Kuppeln) und den spĂ€ter hinzugefĂŒgten Erweiterungbau mit weiteren zwei Kuppeln. Er wies uns gut auf die Stellen an denen man sehen konnte wo der alte Teil aufhörte und der neue Teil begann.

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Die nĂ€chsten Stationen waren HĂ€user aus der alten Zeit bis hin zur Kolonialzeit. Leider fĂŒr unsere VerhĂ€ltnisse in einem sehr desolaten Zustand war die Pracht und die GroßzĂŒgigkeit der HĂ€user trotzdem noch gut erkennbar bzw. erahnbar. Als normaler Besucher hat man m.E. nach keine Chance einen Großteil dieses GebĂ€ude zu finden. Sie verstecken sich entweder hinter unscheinbaren Fassaden oder es geht durch ein paar verwinkelte Fußpfade zwischen Mauern und plötzlich steht man in einem Garten an dessen hinteren Ende das GebĂ€ude sichtbar wird. Die GebĂ€ude natĂŒrlich auch alle noch im Familienbesitz und durch die Nachkommen bewohnt! Die Architektengruppe hat mit den Familien aber eine Vereinbarung bzgl. der Besuche und so wurden wir jeweils von den FamilienoberhĂ€uptern mehr als herzlich empfangen!

Nach einem eher traditionellen bengalischen alten Haus mit kĂŒhlem Innenhof (warum gibt es die nicht mehr) kamen wir an eines der altherrschaftlichen GebĂ€ude. Hier wohnte frĂŒher wohl eine der Dynastien der alten Landlords von Dhaka (Name konnte ich mir leider nicht merken). Sie zeigten uns stolz ihr Haus, Einrichtungen (mit MöbelstĂŒcken aus dem viktorianischen Zeitalter), Bilder aus lĂ€ngst vergangenen Zeiten bis in die Neuzeit, erlĂ€uterten ihre Familiengeschichte und versorgten uns mit kĂŒhlen GetrĂ€nken und köstlichen Mangos aus dem eigenen Garten. Es gibt offenbar ĂŒber 100 Mangosorten und die im Garten gilt als die Königin der Mangos. Zwei der angrenzenden Straßen sind nach den Vorfahren benannt.

Es folgte ein weiteres Haus und offenbar auch das religiöse Zentrum der schiitischen Bevölkerung. Wiederum vom Familienoberhaupt wurde uns dieses Àlteste bekannte Haus Dhakas (auch aus der Mogulzeit) gezeigt und der schiitische Schrein/Altar gezeigt.

Nach einer kurze Darstellung der Herkunft des schiitischen Glaubens und der Schlacht von Kerbala (glĂŒcklicherweise hatte ich die Scholl-Latour- und Konzelmann-BĂŒcher alle gelesen und verstand damit um was es ging) wurden wir auch hier zu erfrischenden GetrĂ€nken und Keksen eingeladen. Als die Frau des Hauses erfuhr, dass nicht eine der ĂŒblichen Besuchergruppen da ist sondern eine Familie aus Deutschland, gesellte sie sich offenbar zum ersten Mal auch dazu. Die Kinder folgten und so wurde es eine richtig nettes und gemĂŒtliches Familienzusammentreffen. Corbinian bekam dann plötzlich eines seiner bald eine halbe Stunde andauernden Nasenblutens was alle in Aufruhr versetzte (es wird Zeit das mal Veröden zu lassen). An dem Tag hatten wir auch gut ĂŒber 40 Grad und zu dem Zeitpunkt waren wir schon ziemlich fertig.

Es folgten diverse weiter HÀuser die wir mangels Zeit aber nicht mehr in dieser Tiefe besichtigten. An drei muslimischen Friedhöfen vorbei ging es nun zur alten Karawanserei von Dhaka.

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Leider auch in totalem Verfall befindlich und ungefĂ€hr auch schon zur HĂ€lfte nicht mehr vorhanden lĂ€ĂŸt sich die ursprĂŒngliche GrĂ¶ĂŸe der Einrichtung noch gut erkennen. Durch eines der ehemaligen Tore betraten wir das Gebiet. Wir betraten dann eine Madrasa (Koranschule) und unser FĂŒhrer lies uns kurz in einer Gruppe von erwachsenen SchĂŒlern zurĂŒck um die Erlaubnis zu holen die Schule zu betreten. Grund ist, dass der erhaltene Teil der Karawanserei von der Koranschule belegt ist. Wir erhielten auch hier die Erlaubnis (die Einholung lt. Architekt eher ein Akt der Ehrerbietung) und konnten so die ehemaligen UnterkĂŒnfte der Handelsreisenden und die Lagerhallen besichtigen. Zwischenzeitlich war es Mittagszeit und wir durften auch noch die zentrale KĂŒche der Madrasa und ihren stolzen Koch besichtigen.

Es folgten noch ein paar weitere StraßenzĂŒge, MĂ€rkte, 
 bis der FĂŒhrer selbst sagte unsere Kinder wĂ€ren jetzt wohl ziemlich am Ende ob wir denn noch weitermachen sollten. Wir beendeten die FĂŒhrung dann da nicht nur die Kinder am Ende waren und machten uns auf den Heimweg.

Zu Hause fielen alle in die Betten und so dösten wir unter der heftigen Mittagshitze ein paar Stunden. Irene und die MĂ€dels gingen dann Abends noch mit Laura in das Reichenviertel von Gulshan zum Shopen (Arong). Mit einigen wirklich schönen Dingen beladen kamen sie dann spĂ€ter wieder zurĂŒck.

Bangladesch – 23. Mai 2009

Heute stand als erstes ein Besuch im „Liberation War Museum“ auf dem Programm. Wie im ReisefĂŒhrer beschrieben wird in diesem kleineren Museum kurz die Entstehung Bangladeschs beschrieben. Die endgĂŒltige Freiheit von Pakistan (damals noch Westpakistan) erlangte das Land im Endeffekt durch einen offenbar grauenhaften Befreiungskrieg im Jahr 1971. Diesem Krieg ist der grĂ¶ĂŸte Teil des Museums gewidmet. Neben reinen Berichten und Fotos der damaligen Geschehnisse finden sich auch viele persönliche Schicksale mit GegenstĂ€nden der betreffenden Personen in der Ausstellung wieder.

Mit uns im Museum war Emilie, eine Freundin von Laura aus Frankreich die ebenfalls in Dhaka fĂŒr eine französische NGO arbeitet. Da sie ihre frĂŒhere Arbeitsstelle in der Gegend hatte kannte sie eine große Moschee die ebenfalls in dieser Gegend zu finden war. Wir beschlossen deshalb diese Moschee zumindest von Außen, wenn erlaubt auch von Innen zu besichtigen. Die betreffende Moschee ist die Baitul Mukarram Moschee – die nationale Moschee von Bangladesch.

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Auf Nachfrage erfuhren wir, dass wir die Moschee durchaus betreten dĂŒrfen – es war nur noch unklar welche Bereich die Frauen betreten dĂŒrfen. Nachdem wir fĂŒr Martha noch einen Schal besorgt hatten betraten wir also Barfuß und etwas unsicher das riesige GebĂ€ude. Alle die uns sahen winkten wir sollen weitergehen. Letztendlich nahmen sich dann aber zwei offenbar zur Moschee gehörende MĂ€nner unser an und fĂŒhrten uns gezielt in die einzelnen RĂ€ume der Moschee. Bereitwillig erlĂ€uterten sie uns die einzelnen Bereiche und zeigten uns auch die ersten drei Stockwerke der insgesamt sieben Gebetsetagen. Anschließend fĂŒhrten Sie uns noch zum Gebetsraum der Frauen zu dem dann aber Corbinian und ich keinen Zutritt erhielten weil eine Frau am Eingang dagegen Einspruch erhob. Ebenfalls am Eingang zum Bereich der Frauen begegnete uns dann auch noch eine Frau die, als ihr klar wurde dass wir Deutsche sind, in deutscher Sprache von ihrer offenbar schönen Zeit in Deutschland (DĂŒsseldorf, Frankfurt, 
) berichtete und hell auf begeistert von unserer Anwesenheit war.

Anschließend ging es wieder auf den Heimweg. Wieder war es Emilie die sich hier auch mit den Bussen aus kannte und so kamen wir zum ersten Mal in den „Genuss“ einer Busfahrt durch die halbe Stadt – ein Erlebnis fĂŒr sich.

Gegen Abend beschlossen wir dann dem Nobel-Stadteil Gulshan einmal die Ehre zu geben. Laura fĂŒhrte uns zuerst in den dortigen VergnĂŒgungspark Wonderland. Mit Fahrkarten fĂŒr ca. 40 Fahrten der dortigen Attraktionen (Boxauto, Kettenkarussel, 3D-Kino, 
) bewaffnet ging es also rein in das VergnĂŒgen. Obwohl nicht mit einem unserer VergnĂŒgungsparks zu vergleichen war es doch ein Erlebnis auf seine eigene Art. Zumindest fĂŒr Laura war die Volcano-Attraktion dann der Höhepunkt des Besuchs. Da sie sicherlich noch andere zu dieser Attraktion fĂŒhren will, möchte ich hier nicht zu viel darĂŒber verraten.

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Alle waren nun wieder grĂŒndlich verschwitzt und der Magen hing uns auch in den Kniekehlen. Deshalb steuerten wir zielstrebig den German-Club ebenfalls in Gulshan an. Wie alle derartigen Clubs ist er nur Mitgliedern vorbehalten. Da Laura aber hier jemand kannte waren wir ĂŒberraschend schnell im Inneren und bewunderten neben dem Schwimmbad auch noch die voll deutsche Speisekarte. So gab es zur SĂ€ttigung erst mal Schnitzel mit Pommes, KĂ€sspĂ€tzle, griechischen Salat, Heineken-Bier, Pizza, 
 . Ja – ich weiß – so lange waren wir ja noch gar nicht aus Deutschland weg, geschmeckt hat es aber trotzdem wie zu Hause. Ist also absolut zu empfehlen. Nach dem Essen ging es zum Schwimmen und insbesondere Martha wollte den Pool gar nicht mehr verlassen.

Bangladesch – 24. Mai 2009

Zuerst haben wir uns an diesem Tag mal ganz mutig ohne die große Hilfe von Laura auf den Weg zum Hauptbahnhof von Dhaka gemacht um Zugtickets fĂŒr unsere fĂŒr Morgen geplante Reise nach Srimangal zu kaufen. Nachdem der Preis mit dem Taxifahrer ausgehandelt war, fuhren wir durch den Werktagsverkehr von einem Stau zum anderen und waren nach ca. einer Stunde dort angekommen.

Teil der Bahnhofshalle in Dhaka
Teil der Bahnhofshalle in Dhaka

Der ReisefĂŒhrer hatte erwĂ€hnt, dass der Ticketverkauf seit der EinfĂŒhrung von Computern wesentlich besser verliefe als frĂŒher. Unsere Erwartungen waren aber immer noch viel zu hoch. Es erwartete uns eine große Halle mit vielen Ticketschaltern die aber ausschließlich mit bengalischen Schriftzeichen versehen waren. Davor in akkuraten Warteschlangen riesige Menschenmengen. Nachdem wir dieses Bild einige Zeit mit einer gewissen Ratlosigkeit betrachtet hatten gingen wir auf die Suche nach jemand der Englisch spricht. Ein junger Mann der ganz passabel Englisch konnte bot sich schnell an, erkundigte sich nach unserem Ziel und zog dann fĂŒr uns die ersten Erkundigungen an einem Schalter ein. Nachdem klar war, dass wir mit Klimaanlage und Platzreservierung fahren wollten (das gibt es nur in der 1. Klasse) geleitete er uns zum passenden Schalter und wollte uns, nachdem wir an der Reihe waren, auch dort behilflich sein. Der Schalterbeamte vertrieb ihn aber – wohl um zu zeigen, dass er auch Englisch kann und keinen Dolmetscher braucht. Nach einiger ErklĂ€rung und Verhandlung kamen wir so zu unseren Zugtickets fĂŒr den Joyenteeka-Intercity-Express fĂŒr 14:00 Uhr am nĂ€chsten Tag. Den Versuch unseren Helfer zu entlohnen lehnte dieser nachdrĂŒcklich ab. Es stellte sich heraus, dass er Journalistikstudent ist und uns einfach ohne jegliche weiteren Absichten helfen wollte. Auch eine Einladung zu einem Kaffe oder einem Cha (Tee) lehnte er ab. Er verhalf uns noch zu zwei GNCs (die ĂŒblichen Motor-Rickschas) und verhandelte auch noch den Preis fĂŒr uns. Nach einem Austausch der Mailadressen ging es fĂŒr uns dann weiter zum Sadarghat – dem Bootshafen am Buriganga.

Eines unsere GNCs verfuhr sich heillos. Mal abgesehen von der langen Fahrt kamen wir aber so zu einer tollen Rundfahrt durch kleine Gassen in Old Dhaka. Das GNC setze uns allerdings mitten im GewĂŒhl einiger MarktstĂ€nde ab und so dauerte es eine Weile bis die Familie sich am Bootsterminal wieder zusammen fand. Die dort Wartenden waren schon die ganze Zeit von einem Bangladeshi belauert worden der uns nun schnurstracks unter großen Lobpreisungen seiner Bootstour durch das HafengebĂ€ude lotste. Die entrĂŒsteten Schreie der Ticketschalter, dass hier ohne Ticket kein Durchkommen sei beruhigte er mit 20 Taka aus unserer Börse. In kĂŒrzester Zeit fanden wir uns auf einem Kai mit etlichen großen Flussschiffen wieder. Unser FĂŒhrer bzw. Bootsvermittler brachte uns aber zu einem kleinen Holzboot das ca. 2m unterhalb des Kais im Wasser lag. Der Bangladesch-ReisefĂŒhrer beschrieb die Tour mit solch einem Boot als durchaus riskant bis lebensgefĂ€hrlich weil die Flussdampfer ĂŒber derartige Nussschalen wohl das eine oder andere Mal schlicht hinweg fahren. Im Vorfeld hatten wir dann ĂŒberlegt dieses Wagnis nicht einzugehen, vergaßen das vor der ĂŒberwĂ€ltigenden Kulisse aber. Der BootsfĂŒhrer zog das Boot mit einem Seil ĂŒber einen Poller ca. einen Meter nach oben und forderte uns auf einzusteigen. Nun gut 
 er verkannte wohl das Gewicht von Papa Grupp aber er wollte es so. Ich also runter ins Boot, der BootsfĂŒhrer konnte das Gewicht nicht halten, das Boot kracht einen guten Meter ins Wasser runter, das Bootsdeck unter mir bricht ein und mein Fuß verschwindet im Boot und der BootsfĂŒhrer verschwindet bis ĂŒber die HĂŒfte in den ĂŒbel stinkenden Fluten – nur noch an mich geklammert. Es gelang uns dann glĂŒcklicherweise allen den heftig schwankenden Kahn wieder unter Kontrolle und den BootsfĂŒhrer wieder ins Boot zu bekommen. Bevor wir unser Vorhaben aber ĂŒberdenken konnten, hatte der Vermittler das nĂ€chste Boot an der Hand, verfrachtete mich dorthin und lies nun den Rest der Familie etwas vorsichtiger einsteigen. Gerade im Boot angekommen kam uns nach den ersten paar Metern prompt einer der angekĂŒndigten Dampfer auf dem Weg zum Anleger entgegen.

An der Stelle hÀtten wir das Abenteuer gerne beendet aber das war nun schon zu spÀt. Es ging also auf den Fluss hinaus dessen Gestank und Aussehen aber weiterhin konkrete Assoziationen zu einer KlÀranlage erweckte.

Die restliche Bootstour war dann aber tatsĂ€chlich sehr interessant! Nachdem wir zum gegenĂŒberliegenden Ufer gefahren waren sahen wir dort eine altes Schiff am anderen. Zuerst dachten wir es handelt sich um eine Abwrackwerft wie wir sie schon im Film „Eisenfresser“ gesehen hatten.

Anders Ufer des Buriganga mit Werften
Anders Ufer des Buriganga mit Werften

TatsĂ€chlich stellte es sich dann aber als Werft zur Reparatur alter Schiffe bzw. zum Neubau von Schiffen aus den Bestandteilen alter Schiffe heraus. Unser Bootsvermittler brachte uns, als er unser Interesse wahrnahm, an Land und fĂŒhrte uns durch das Gewirr an halbfertigen Booten, alten Motoren, Schiffsschrauben, Eisenplatten, 
 . Überall waren Menschen mit bloßen HĂ€nden, HĂ€mmern und Meißeln dabei das alte Metall zu zerlegen und in neue Formen zu bringen.

Werftarbeiter mit Stahlmeißel und Vorschlaghammer
Werftarbeiter mit Stahlmeißel und Vorschlaghammer

Wie ĂŒberall waren die Menschen dabei sehr freundlich zu uns und freuten sich sehr wenn sie auch auf einem Foto festgehalten wurden. Nachdem wir das Boot wieder bestiegen hatten ging es zurĂŒck an das ursprĂŒngliche Flussufer und an einer Ansammlung von Frucht-UmschlagsplĂ€tzen entlang zurĂŒck zu unserem Ausgangspunkt.

HĂ€ndler am Buriganga-Ufer
HĂ€ndler am Buriganga-Ufer

Nachdem der Bootsvermittler uns dann noch eine fĂŒr seine VerhĂ€ltnisse sicher sehr hohe Summe abgerungen hatte verabschiedete er sich hoch erfreut von uns.
Den Abend verbrachten wir dieses Mal im Appartement von Laura – der Villa Blanche im Stadtteil Dhanmondi – mit einigen Spielrunden UNO.

Bangladesch – 25. Mai 2009

Nach dem Packen fĂŒr unseren dreitĂ€gigen Ausflug in die Sylhet-Gegend – konkret nach Srimangal – und einem von Tscheina’s Pfannkuchen-FrĂŒhstĂŒck, ging es wieder auf die Reise zum Bahnhof. Da wir dort am Vortag alles schon recht gut erkundet hatten fanden wir unseren Bahnsteig sofort wieder und wurden von einem der Schaffner direkt in unser Abteil geleitet. Angenehm klimatisiert, mit zusĂ€tzlichen Liegen in einer 2. Etage ausgestattet erwarteten wir dann die Abfahrt. Plötzlich öffnete sich unsere AbteiltĂŒr und der Student vom Vortag stand zusammen mit einem Freund wieder vor uns. Er war erneut gekommen um u.a. zu sehen ob bei uns alles geklappt hatte. Er hatte seinen Wohnort und seine Kontaktdaten zusammengefasst vorbereitet und wir tauschten die Daten erneut aus da er den Zetteln von gestern wohl verloren hatte. Nach einem netten GesprĂ€ch und ein paar Fotos verließen die Beiden den Zug dann als er abfuhr. Ich weiß nicht ob er sich noch etwas Konkretes erhofft und wĂŒnsche ihm vorerst einmal alles Gute. Ein Besuch von ihm in Deutschland bleibt vorerst einmal Utopie.

Unser Intercity-Express zuckelte dann von einer Diesel-Lokomotive gezogen ganz gemĂ€chlich aus dem Bahnhof. Schienenbreite ist ĂŒbrigens Schmalspur. Es ging durch die Vororte von Dhaka nach Norden und außerhalb der Stadt beschleunigte er auch etwas. Wie Laura schon angekĂŒndigt hatte war die Geschwindigkeit auch im Verlauf der weiteren Fahrt nicht sehr hoch. Nach der unbeschreiblichen Hektik von Dhaka war es aber eine echte Wohltat die Landschaftsbilder auch einmal einen Moment lĂ€nger auf sich wirken lassen zu können.

Unser Zug bei einem Halt - man beachte das Dach unseres Intercity weiter vorn
Unser Zug bei einem Halt – man beachte das Dach unseres Intercity weiter vorn

Die Besiedelung entlang der Bahnlinie wurde außerhalb Dhaka’s schnell dĂŒnner und wich dann zunehmend kilometerweiten Feldern – vor allem war fĂŒr uns Reis erkennbar.

Die gemĂŒtliche Fahrt bot davon abgesehen auch die erste Möglichkeit einmal die ganzen vergangenen Tage zu dokumentieren.

In Srimangal kamen wir dann in der Nacht an. Auf Basis der Empfehlungen im ReisefĂŒhrer-Buch machten wir uns dann durch das spĂ€rlich beleuchtete Ortschaft auf Hotelsuche. Unsere PrĂ€ferenz – das Guesthouse des Tea Research Institutes – hatte im Vorfeld schon eine telefonische Buchung abgelehnt da das Guesthouse vollstĂ€ndig durch Mitglieder des Parlaments belegt war. Auf dem Weg zum ersten Hotel sprach uns ein junger Mann auf Englisch an, bot sich an uns zu den Hotels zu fĂŒhren und stellte sich dann noch als möglicher FĂŒhrer fĂŒr den nĂ€chsten Tag vor. Nachdem er uns sein mögliches Programm fĂŒr den nĂ€chsten Tag erlĂ€utert hatte starteten wir mit den Preisverhandlungen und wurden dann schnell mit ihm einig. Einen Guide (FĂŒhrer) hatten wir damit schon mal. Das Hotel United entsprach dann ganz und gar nicht unseren Vorstellungen. Geplant war als nĂ€chste Option das Hotel Tea Town. Der Guide schlug uns aber vor erst auch mal das Hotel Taj Mahal anzuschauen. Das war zwar auch nicht gerade so toll aber um einiges besser als das United. Da es doch schon recht spĂ€t war und alle mĂŒde waren buchten wir hier. WĂ€hrend des Auspackens stellten wir dann noch fest, dass das Wasser nicht ging (was aber behoben werden sollte). Nun gut 
 wir gingen dann auf die Suche nach etwas Essbarem. Dabei begegneten wir per Zufall dem im ReisefĂŒhrer beschriebenen Guide und unterhielten uns ein bisschen mit ihm. Er empfahl das Tea Town und die Gesichter der Kinder sprachen auf einmal BĂ€nde. So richtig wohl hatte sich im Taj Mahal niemand gefĂŒhlt. Langer Rede kurzer Sinn 
 wir ab ins Tea Town angeschaut, gebucht, im Taj Mahal das GepĂ€ck geholt und eine Nacht leer bezahlt.

Danach haben alle noch ein bisschen ferngesehen (englischer Kanal) und so ging dann auch dieser Tag zu Ende.

Bangladesch – 26. Mai 2009

Am Vorabend hatten wir ja wie schon berichtet in das Hotel Tea Town gewechselt. Dort bekamen wir ein Drei- und ein Zweibettzimmer mit Klimaanlage. Letzteres hat sich dann auch ordentlich auf den Preis niedergeschlagen. Das Zweibettzimmer haben dann Corbinian und ich belegt, das Dreibettzimer Irene mit den MĂ€dchen. Nach der ersten Nacht kann ich erst mal nur sagen, dass der Preis absolut ĂŒberteuert war da die Klimaanlagen in beiden Zimmern zwar schön Krach machen aber außer dem LĂŒfter keine weitere Funktion haben – KĂ€lte haben die Dinger auf jeden Fall nicht produziert. Unser Bad war außerdem so dreckig, dass wir das Damenbad im Nachbarzimmer bevorzugt haben – die ihres aber auch nicht zum Duschen benutzt haben. Beide Zimmer hatten auch so gut wie keine Frischluftzufuhr und so war die Nacht nicht so wirklich der BrĂŒller. Nun gut 
 das Tea Research Institute hatte halt nun mal keine Zimmer und in die noch teurere Oberklasse wollten wir ja nicht.

Nach dem kurz Frischmachen gingen wir dann raus da das Hotel ohne FrĂŒhstĂŒck ist. Auf der Straße haben wir zwar kurz geschaut aber nicht gleich etwas gefunden. DafĂŒr stand unser FĂŒhrer pĂŒnktlich kurz vor 8:00 Uhr mit unserem Minibus und Fahrer bereit. Wir einigten uns, dass wir spĂ€ter unterwegs anhalten um Rast zu machen und fuhren los.

Erste Station war ein Waldgebiet das durch Renaturierung wieder ein bisschen seines ursprĂŒnglichen Aussehens zurĂŒckgewonnen hat. Lt. den aufgestellten Schildern war US-AID zumindest daran beteiligt wenn sie es nicht sogar ganz gemacht haben. In diesem als „Rain Forest“ (Regenwald) bezeichneten Naturschutzgebiet kann man Wanderungen unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe machen. Da wir an dem Tag noch vieles anderes sehen wollten wurde die kurze Tour gewĂ€hlt. Auf einem schön angelegten Pfad wanderten wir also durch diesen Wald in dem es Affen, Papageien und anderes Tier in freier Wildbahn zu bestaunen gibt. Lt. unserem FĂŒhrer verstecken die sich bloß leider alle bei Regen 
 und den hatten wir durchaus. Außer der Pflanzenwelt – z.B. wirklich dicke und hohe BambusgewĂ€chse – sahen wir also erst mal nichts.

Regenwald bei Srimangal
Regenwald bei Srimangal

Nach ca. ein bis zwei Kilometern kamen wir zu einem der indigenen Dörfer die es in dieser Gegend gibt. Indigen deshalb weil die dort lebenden Menschen nicht zum Volk der Westbengalen gehören sondern vor etlichen Jahrhunderten (vor der Zeit der Mogule) von Indien aus zugewandert sind und sich einen Teil ihrer IdentitĂ€t bis heute erhalten haben. Außerdem gibt es nicht nur einen derartigen idigenen Stamm in der Gegend sonder gleich mehrere. Das aktuelle Dorf gehört einem Stamm der mit eigenen Plantagen als recht wohlhabend gilt. FĂŒr uns auffallend war die im Gegensatz zum sonstigen Bangladesch ĂŒberraschende Sauberkeit, sowohl der Einwohner als auch der HĂ€user und Wege in diesem Dorf.

Auf dem RĂŒckweg sahen wir dann bereits viele Papageien die ĂŒber den Baumwipfeln hinweg- bzw. aufflogen als wir darunter hinweg gingen. Unser FĂŒhrer machte uns auch plötzlich auf einen Affen aufmerksam der in einem der BambusbĂ€ume herum turnte. WĂ€hrend unserer Beobachtung des Tiers gesellten sich dann noch zwei weitere dazu. Ein schönes Erlebnis diese Tiere auch einmal in ihrer eigenen Umgebung zu sehen anstatt im Zoo.

Weiter ging es zu einem anderen indigenen Dorf. Nach Anmeldung beim Chef des Dorfs schlenderten wir auch hier durch. Abgesehen davon, dass wir auch eine Kirche stießen weil es sich um Christen handelt war hier nichts weiteres außergewöhnlich.

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Als nĂ€chste Station stand ein See auf dem Programm. Auf dem Weg dorthin gab es dann aber erst mal zwei nicht geplante Einlagen. Die erste bestand darin, dass wir einem Elefanten begegneten. Die werden hier noch wirklich als Arbeitstiere eingesetzt und einer davon war am Straßenrand angekettet.

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Die zweite Überraschung war auf einmal die laut schreiende Martha. Sie hatte einen Wurm in einer ihrer Sandalen entdeckt und turnte entsetzt und angeekelt auf der RĂŒcksitzbank herum. Sie riss sich die Sandale vom Fuß und schrie ziemlich. Zwischen ihren Zehen war Blut und Dreck und wir gingen erst einmal davon aus, dass sie den Wurm zermatscht hatte. Martha war nur mit MĂŒhe zu beruhigen, behielt die FĂŒĂŸe aber oben und weigerte sich ihre Sandalen wieder anzuziehen. Irene verlangte dann irgendwann einen Stopp des Wagens weil immer mehr Blut auf dem Fuß von Martha war und wir ĂŒberprĂŒfen wollten woher das eigentlich kommt. Nachdem wir erst mal alles Blut weg gespĂŒlt hatten war nichts mehr zu sehen außer einer kleinen Stelle aus der das Blut kam. Unser FĂŒhrer erklĂ€rte uns, dass Martha von einem Blutegel gebissen worden war und die Blutung nicht so schnell aufhört. Mir fiel dann ein, dass die Dinger irgendeinen Blutgerinnungshemmer einspritzen was wohl die Ursache sein dĂŒrfte. Der FĂŒhrer verschwand dann im Dorf und kam nach ein paar Minuten mit einem Wattebausch auf dem eine braune Substanz war. Die war wohl ein Gerinnungsmittel denn Martha sollte das zwischen die Zehen auf die gebissene Stelle pressen und das half dann auch. GespĂŒrt hatte Martha gar nichts was aber wiederum daran liegen dĂŒrfte, dass die Viecher auch ein Schmerzmittel beim Biss einspritzen. Nun gut 
 Martha hatte erst einmal mehr als genug und ekelte sich ohne Ende.

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Nach diesen ungeplanten Ereignissen kamen wir dann zu dem besagten See. Nett 
 aber fĂŒr uns seeverwöhnte Bodenseeanrainer und Oberschwaben nichts wirklich besonderes.

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Bei der Weiterfahrt gab es erneut einen Elefanten – dieses Mal offenbar auf dem Weg zur Arbeit und deshalb beritten. Ich ließ den Bus kurz anhalten und schoss ein paar Fotos. Der Elefantenreiter rief noch etwas, ich winkte zum Abschied und ging wieder in den Bus. Tja 
 weit gefehlt 
 der Reiter wollte fĂŒr das Foto ein paar Taka. Dazu blockierte er mit dem Elefant den Bus, unser FĂŒhrer holte ein paar Taka hervor, der Elefant kam mit dem RĂŒssel ins Auto um das Geld abzuholen, unser Fahrer verschwand halb unter dem Lenkrad und dann war es vorbei. Wir konnten weiter fahren.

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Nun ging es weiter da wir endlich was zum Essen haben wollten. Die Fahrt fĂŒhrte uns zu einem bengalischen Imbiss am Straßenrand und dort versorgten wir uns mit Trinken (Cola, Sprite und Zitronentee) und Essen. Wohl gestĂ€rkt ging es nun zu einer Ananasplantage. Im Vorfeld rĂ€tselten wir schon alle wie diese Pflanzen wohl aussehen wĂŒrden. Wir kannten nur die Frucht aber keiner wusste wie die Dinger wachsen. Die Vermutungen gingen in Richtung eines Baums. Tja 
 weit gefehlt – Ananas wachsen als BlĂŒte aus einem GewĂ€chs das mich an so diverse stachlige Kakteen in meines Vaters Garten erinnert. Es sind ziemlich feste und an den RĂ€ndern stachlige Pflanzen.

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Bevor wir in der Plantage auf einen kleinen HĂŒgel zum Wachhaus hoch kletterten, nahm unser FĂŒhrer noch eine Limette von einem Baum mit. Außerdem lies er uns an dem tollen Duft teilhaben den ein zerriebenes Limettenblatt ausströmt. Oben bei der Wache angekommen holte diese aus einem Stapel richtig gelber Ananas eine ganze Anzahl und begann sie mit seinem Messer zuzubereiten. Im Endeffekt erhielt jeder fĂŒrs erste eine halbe Ananas die vorab von der mitgebrachten Limette betrĂ€ufelt wurde. Der Geschmack 
 WAHNSINN 
 die Ananas war so weich wie noch nie eine in meinem Leben (und ich liebe die Dinger). Man spĂŒrte die Fasern des Fruchtfleischs kein bisschen. Es war im Mund nur sĂŒĂŸ, mit der leichten WĂŒrze der Limette. Sogar der Strunk den man normalerweise nie essen kann war hier essbar! Alle von uns die Ananas mögen haben sich fĂŒr wenige Taka an den Ananas satt gegessen. Auch der Ausblick von hier oben war herrlich und so genossen wir auch den noch ein wenig.

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All zu lange ging das aber nicht weil die ganze Zeit schon heftige Wolken aufgezogen waren und so langsam klar war die regnen sich ĂŒber uns aus. Unser FĂŒhrer drĂ€ngte uns den steilen Hang noch vor dem Regen runter zu kommen weil wir es sonst ohne rutschen gar nicht mehr schaffen. Gesagt getan und dann ging auch schon ein Monsunregen ĂŒber uns und der Landschaft nieder. Wir kamen schon halb nass im Bus an und fuhren dann erst mal wieder zum vorherigen Imbissstand um dort den Regen abzuwarten. Die einhergehende AbkĂŒhlung war ebenfalls herrlich.

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Nach dem Ende des Regens ging es wieder weiter, dieses Mal zu einer Kautschukplantage. Die war zwar wegen der Regenzeit nicht in Betrieb aber die Schnitte in den BĂ€umen, die AuffangbehĂ€lter und auch getrockneten Kautschuk konnten wir bestaunen. Kautschuk riecht dann wie wenn man die Luft aus einem Fahrradschlauch lĂ€sst – ziemlich stinkig.

NĂ€chste und vorletzte Station war dann eine Teeplantage. Doch bevor wir dort ankamen gab es erneut Geschrei von Martha. Sie hatte schon wieder einen Blutegel am Fuß. Dieses Mal an der Fußsohle. Ich habe dann versucht sie von dem Teil zu befreien was aber nicht sonderlich einfach ist. Man muss es richtig fest packen und heftig ziehen da es sich mit den Beißwerkzeugen offenbar gut festhĂ€lt. Ich hatte Angst, dass es mir in den Fingern platzt oder reißt 
 aber die halten echt was aus. Irgendwann hat er dann losgelassen, ich ihn auch und somit verschwand er wieder im Auto. Na super :-(.

Danach konnten wir dann die Teeplantage besichtigen. Auch hier mal interessant zu sehen woher der Tee kommt. Bengalischer Tee geht wohl vor allem nach England und natĂŒrlich ins eigene Land.

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Die letzte Station war dann ein Teeimbiss in dem man von vier- bis zu sieben Farben-Tee kaufen konnte. Dabei werden verschieden Teesorten mit offenbar unterschiedlicher Dichte so eingeschenkt, dass sie als farblich unterschiedliche Schichten im Glas erhalten bleiben. Die verschiedenen Schichten haben dann auch einen unterschiedlichen Geschmack – von normalem Schwarztee, ĂŒber Zitronentee, Ingwertee, usw..

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Der Fahrer durchsuchte außerdem das Auto und fand endlich einen der mistigen Blutegel. Mit Salz wurde er dann unter allgemeiner Anteilnahme der umher stehenden Bangladeschi vernichtet.

Damit beschlossen wir die Rundfahrt obwohl unser FĂŒhrer noch weitere Programmpunkte wie Souvenirshops und einen Zoo anbot. Die EindrĂŒcke reichten aber und mĂŒde waren auch langsam alle. Nach der RĂŒckkehr ließen wir uns noch in ein bengalisches Restaurant bringen und aßen dort zu Abend. Meine bescheuerte Idee ebenfalls mit den HĂ€nden zu essen war dann evtl. die Ursache fĂŒr Magen-DarmkrĂ€mpfe und netten Durchfall einen guten Tag spĂ€ter.

ZurĂŒck im Hotel versuchen wir dann mit Öffnen der Fenster zum Gang ein bisschen Luft fĂŒr die Nacht zu bekommen. In unserem Zimmer fiel zu allem Überfluss noch der Ventilator aus und so mussten wir die ganze Nacht die lĂ€rmende Klimaanlage nur wegen deren LĂŒfter laufen lassen. Gute Nacht!

Bangladesch – 27. Mai 2009

Nach dem Aufstehen um ca. 7:30 Uhr wurden alles gepackt und wir verließen das Hotel. In der Rezeption lag der „Hotelmanager“ noch in tiefem Schlaf und erwachte erst als wir schon mindestens eine Treppe weiter unten waren. Akustisch vermeldeten wir unseren „Check-out“ und gingen weiter um zu sehen ob wir noch irgendwo etwas zum FrĂŒhstĂŒcken fanden. In einem kleinen Restaurant erwarben wir dann noch fĂŒnf der typischen gebackenen u. frittierten Brotfladen und ein StĂŒck weiter einen BĂŒschel Bananen.

Anschließend ging es zum Bahnhof an dem wir recht schnell von einer wirklich riesigen Menschentraube umgeben waren. Dieses Mal wurde es sogar den sonst apathisch wirkenden Wachen zu viel und sie verjagten mehrmals die Ansammlung um uns herum. Der Zug kam dann mit leichter VerspĂ€tung und wir machten uns auf die Suche nach unserem 1. Klasse Abteil. Gleich beim ersten Schaffner – den ich eigentlich nur auswĂ€hlte um zu erfahren wo denn unser guter Wagen sei – war ich leider richtig. Der 1. Klasse Wagen mit Klimaanlage war in diesem Zug nicht verfĂŒgbar (was ich am Vortag beim Kartenkauf schon erfahren hatte) und der ohne Klimaanlage war ein ziemlicher Rumpelwagen mit offenen Fenstern damit wir wenigstens Fahrtwind hatten. Zumindest unsere SitzplĂ€tze waren reserviert und so wurden die dort bereits sitzenden Bangladeschis vom Schaffner vertrieben.

Da das Fenster geöffnet war hatten wir dieses Mal keinerlei Sichtbehinderung und es gab auf der langen Fahrt doch das eine oder andere Schöne zu sehen. Auch mit einem Bengali kam ich wieder ins GesprĂ€ch. Nach ĂŒber fĂŒnf Stunden bei „guten“ Temperaturen war Dhaka endlich erreicht und es ging wieder heim zu Korsheds Haus. Dort nach drei Tagen erst einmal alle unter die Dusche und zu sonstigen Hygiene-Maßnahmen.

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Am Abend verabredeten wir uns mit Laura zu einem Abendessen im Pizza-Hut. Der ist voll klimatisiert (ich vermute mal auf ca. 20 oder 22 Grad) und die ersten Kinder froren wie die Schneider. Ansonsten erinnert einem im Inneren außer den GĂ€sten und der Bedienung nichts mehr an Bangladesch – die Firmenphilosophie ist voll umgesetzt. Alle bestellten nach Herzenslust mal wieder das was sie wollten (bis auf Corbinian der seine geliebte Salamipizza mit einer Rinderpizza vertauschen musste da es so etwas in einem muslimischen Land natĂŒrlich nicht gibt).

FĂŒr eine Geburtstagsfeier am nĂ€chsten Tag war Laura davon abgesehen schon den ganzen Tag damit beschĂ€ftigt die unterschiedlichsten „Happy-Birthday“-StĂ€ndchen aufzunehmen. Alle möglichen Bangladeschis auf der Straße, im Haus und natĂŒrlich auch wir hatten dafĂŒr schon herhalten mĂŒssen. Nun war noch die Belegschaft von Pizza-Hut an der Reihe. Der wurde erklĂ€rt, dass Irene angeblich Geburtstag habe und die Firmenphilosophie verlangt der Belegschaft dann ein StĂ€ndchen ab! Das haben die dann auch lauthals umgesetzt und Irene musste gute Miene zum Spiel machen wĂ€hrend Laura das Geschehen fĂŒr ihre Videosammlung filmte.

Bangladesch – 28. Mai 2009

Heute Morgen hat Laura ihre Geschwister abgeholt um ihnen einen Teil ihrer Arbeit an einer Schule in Dhaka zu zeigen. Irene hatte davor mit der HaushĂ€lterin des Hauses schon ausgemacht, dass sie gerne einmal mit ihr zum tĂ€glichen Einkauf auf dem Markt gehen wĂŒrde. Ich selbst hatte mir die Option offen gehalten auszuschlafen oder auch mit den Kindern zur Schule zu gehen. Da ich dann am Morgen das erste Mal in Bangladesch doch heftiges Rumoren im Magen-/Darmtrakt hatte beschloss ich am Morgen liegen zu bleiben.

Irene kam dann als Erste wieder nach Hause und berichtete begeistert von ihrem Marktbesuch. Der Markt liegt wohl ziemlich verwinkelt und fĂŒr uns nicht leicht zu erreichen mitten in einem der Viertel. Es ist wohl ein ziemlich buntes Treiben mit allerlei Obst, GemĂŒse, Fleisch (wie wir es schon in Old Dhaka gesehen hatten) und Fischen. Letztere dann noch nicht tot um den potentiellen KĂ€ufern auch tatsĂ€chlich die Frische der Ware live demonstrieren zu können. Tscheina hatte es durch die Begleitung von Irene aber offenbar recht schwer die normalen Preise zu bekommen und so vermutet Irene, dass es heute ein eher teurer Einkauf war.

Auf dem RĂŒckweg stellte China dann Irene noch zwei ihrer Söhne vor. Sie hatte uns schon erzĂ€hlt, dass der Älteste behindert sei und das fĂŒr sie ein großes Problem darstellt. Wie es sich nun herausstellte ist er offenbar zumindest taub oder sogar taubstumm. ErzĂ€hlt hatte sie noch von einem Problem am Bein. Die beiden Söhne arbeiten in einem kleinen Kiosk nicht weit von unserem Haus entfernt. Irene hat dann dort SĂŒĂŸigkeiten fĂŒr unsere Kinder eingekauft um ein wenig fĂŒr Umsatz zu sorgen. China hat Irene dann auch noch kurz die Gegend gezeigt in der sie wohnt – ebenfalls nicht weit entfernt.

Gegen Mittag hat Laura dann angerufen und uns gesagt, dass die Kinder alle bei ihr sind, mit Spaghetti wohl abgefĂŒllt sind und sich nun eher langweilen. Um 17:00 Uhr war dann im Goetheinstitut von Dhaka ein Kinderfilm angekĂŒndigt und so fuhren wir dann erst mal zu Laura weil das in der NĂ€he ist. Nach einigen UNO-Spielen ging es dann zum Goetheinstitut. Nach den Securitywachen (trotz Metallscanner haben die nicht mal meinen SchlĂŒsselbund in der Tasche gefunden) ging es dann in den VorfĂŒhrraum. Wir waren erst mal alleine, erst nach Filmstart kamen dann weitere Zuschauer. Wir waren ziemlich ĂŒberrascht als der Film begann – chinesische Sprache mit englischen Untertiteln! Komisch fĂŒr ein deutsches Kulturinstitut fanden wir, aber gut 
 . Nachdem sich die Kids nicht so wirklich dafĂŒr erwĂ€rmen konnten und Martha sowieso so gut wie nichts verstehen konnte haben wir die Vorstellung dann recht schnell verlassen und sind auf die Dachterasse gegangen. Dort tummelten sich dann einige jugendliche Bangladeschis die aber von uns weniger Notiz nahmen und uns ĂŒberraschend ignorierten. Genrell waren wir ĂŒberrascht wie wenig deutsche IdentitĂ€t das Goetheinstitut ausstrahlte. Nach ein paar Colas und Sprites beschlossen wir dann uns auf dem Weg zum „großen Einkaufszentrum“ New Market zu machen.

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Auf dem Weg dorthin gerieten wir in den schlimmsten Rikschastau den wir bis dahin erlebten und beschlossen den Rest des Wegs zu Fuß zurĂŒck zu legen.

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Der New Market entpuppte sich dann als ein großes Verkaufsgebiet das aus lauter kleinen LĂ€dchen besteht. Sehr angenehm war, dass es hier keinerlei Fahrzeuge gab und wir uns zum ersten Mal ungestört von Gehupe und Geklingel (und vor allem ohne die damit verbunden Gefahr ĂŒber den Haufen gefahren zu werden) bewegen konnten. Wir schlenderten also in alle GemĂŒtsruhe durch das Menschengewirr von Laden zu Laden. Gelegentlich interessierten wir uns fĂŒr eine Ware und waren dann sofort von einer Menschenmenge umgeben. Unter anderem verfolgte uns ein sehr sympathisches Kind das uns partout Topflappen verkaufen wollte (mind. eine Stunde lang). Bei den Waren die wir dann wirklich kauften (Leuchtsterne, endlich eine passenden Diesel-GĂŒrtel fĂŒr Corbinians Hosen, Tops fĂŒr die MĂ€dchen und wunderschöner Stoff fĂŒr Kleider von Irene) zeigte sich dann, dass in mir und zumindest auch bei Clara doch einiges von den VerhandlungsfĂ€higkeiten der Oma Elisabeth steckt. Wir versuchten die Preise (ganz offenbar die fĂŒr AuslĂ€nder) wieder auf ein normaleres Maß zu bekommen. Ich denke die HĂ€ndler sind immer noch ganz gut weggekommen 
 aber wir haben unser Geld auch ganz gut verteidigt. Clara zeigte sich auch mir gegenĂŒber ganz klar ĂŒberlegen. Bei ihr waren die HĂ€ndler glaube ich froh wenn sie ĂŒberhaupt was kaufte und arg viel ĂŒber dem Einheimischenpreis kann das auch nicht mehr gewesen sein. Den gesamten Einkauf ĂŒber wurden wir von unserem tapferen TopflappenverkĂ€ufer begleitet. Irene verteidigte ihn fortlaufend gegen die HĂ€ndler und die Wachen die ihn wie die anderen Bettlerkinder mit Stöcken verjagen wollte. Zum Dank hielt er uns die anderen Kinder vom Leib und wurde dafĂŒr zum Abschluss mit 20 Taka belohnt.

Zu Hause wartete dann eines der guten Essen von Tscheina auf uns. Die Kids hatten mal wieder keinen Hunger (da es bei Laura wohl viel Spaghetti gab) und so hatten Irene und ich viel zu Essen. Überraschend konsumierten die Kids dann spĂ€ter noch die Schoko-FrĂŒhstĂŒcksflocken.

Den Abschluss des Tages bot eine gemĂŒtliche Runde mit unserem Gastgeber Korshed – der nebenbei auch noch UNO spielen lernte. Wir kamen heute sehr gut mit ihm ĂŒber seine vielfĂ€ltigen TĂ€tigkeiten ins GesprĂ€ch. Er steckt wohl maßgeblich hinter den Kampagnen gegen Tchibo, Lidl, Kik und weitere deutsche GrĂ¶ĂŸen die fĂŒr Spottpreise Textilien aus Bangladesch verkaufen und sich nicht genĂŒgend um die hiesigen Arbeitsbedingungen kĂŒmmern bzw. kĂŒmmerten. Lt. Korshed fĂŒhren diese Kampagnen offenbar aber doch nach und nach dazu, dass zumindest gelegentlich eine Verbesserung eintritt.

Bangladesch – 29. Mai 2009

Nachdem die Kinder heute ziemlich lange geschlafen haben gab es noch die bewĂ€hrten Pfannkuchen zum FrĂŒhstĂŒck. Heute drĂ€ngte es niemand so richtig zu AktivitĂ€ten, u.a. weil es Morgens wieder sehr heiß war. In frĂŒhen Nachmittags-Stunden gab es dann heftigen Wind der in den HĂ€userschluchten zu einem regelrechten Sandsturm fĂŒhrte. Es zogen heftige Wolken auf und wir freuten uns alle schon auf eine AbkĂŒhlung. Die Wolken verzogen sich aber wieder und der Wind legte sich. Nachdem wir in der unteren Wohnung bei Korshed ein bisschen Mittagessen hatten stellten wir fest, dass es nun doch klammheimlich begonnen hatte zu regnen. Außerdem gab es eine deutliche AbkĂŒhlung. Es waren „nur“ noch knapp 30 Grad – fĂŒr uns zwischenzeitlich schon kĂŒhl! Nachdem Irene und ich uns den ersten Kaffee gegönnt hatten planten wir kurzentschlossen den Besuch in der Hindu Street.

Nach der Motivation unserer Kinderschar machten wir uns mit einem gelben Taxi auf den Weg. Das Ding hatte doch tatsĂ€chlich Klimaanlage und so kamen wir wirklich gut erholt nach relativ kurzer Zeit in Old Dhaka punktgenau am Eingang der Hindu Street an. Die Fahrt war zudem mit 150,- Taka auch noch ĂŒberraschend billig.

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Die Hindu Street selbst ist eine ziemlich enge Gasse. Mit gutem Willen schaffen es zwei Rickschas gerade noch so aneinander vorbei zu kommen – was die aber nicht davon abhĂ€lt hier auch in Scharen durch zu fahren. Wie der Name der Straße schon sagt gab es hier vornehmlich handwerkliche LĂ€den die offenbar von Hindus betrieben und von eben solchen besucht werden. Neben religiösen Dingen fielen uns vor allem unzĂ€hlige HĂ€ndler auf die Armreife verkauften. Nachdem wir zuerst den Verdacht hatten diese wĂ€ren womöglich aus Elfenbein gefertigt, klĂ€rte ein HĂ€ndler uns dann mit dem Verweis auf eine große Muschel ĂŒber das tatsĂ€chliche Material auf. Außerdem gab es viele Handwerker die klavier- bzw. orgelĂ€hnliche Musikinstrumente bauten in deren Inneren die Töne durch Metallzungen erzeugt werden. Außerdem auffallend die besondere Bauart der HĂ€user von denen man uns schon erzĂ€hlt hatte. Die HĂ€user sind nĂ€mlich gerade mal einen guten Meter breit und gehen weit nach hinten und nach oben. Neben dem Gang und dem Treppenhaus sind offenbar wie Kojen die AufenthaltsrĂ€ume bzw. SchlafstĂ€tten der Bewohner (das haben wir aber nicht gesehen).

Am Ende der Straße lag dann noch eine Kirche die aber leider geschlossen war. So ging es – wieder mit einem der guten gelben Taxis – nach Hause. Ich frage mich nur ob der Taxameter prĂ€pariert war da die gleiche Fahrt dieses Mal 230,- Taka kostete.

FĂŒr das Abendessen hat heute Irene die Rolle von Tscheina ĂŒbernommen und nach kurzer Wartezeit gab es Nudeln mit Ketchup – ein Essen das dann auch unsere Kinder klaglos konsumierten.

Bangladesch – 30. Mai 2009

Seit Tagen wurde von unterschiedlichen Seiten der Gesamtaufenthalt als zu lange angesehen. Die Hitze und der Mangel an SehenswĂŒrdigkeiten bzw. AktivitĂ€ten hatte bei dem einen od. anderen schon zum Schwelgen eingeladen wie schön es jetzt doch im Freibad wĂ€re. Da nun auch der Ausflug in die Bandarbans vorerst gescheitert war (man benötigt eine Erlaubnis der Regierung und die Beantragung dauert mind. 3 Tage) und sich wie gesagt allgemein etwas Frust breit gemacht hat, stellten wir nach dem FrĂŒhstĂŒck den Kids die Option vor die FlĂŒge umzubuchen. Das ist zwar alles andere als billig, aber wir haben uns dann doch dafĂŒr entschieden. Irene war die Einzige die noch gerne lĂ€nger geblieben wĂ€re.

Als erster TOP ging es dann also zu Emirates um die RĂŒckflĂŒge auf den 2. Juni umzubuchen. Das hat soweit auch alles geklappt – nur die Bahntickets konnten nicht umgebucht werden, weder von Emirates noch vom ReisebĂŒro in Ravensburg die wir per Handy kontaktiert hatten. Offenbar geht das erst wenn man direkt in Deutschland ist am Servicepunkt der Deutschen Bahn.

Anschließend sind wir mit Emilie und Laura in Gulshan einkaufen gegangen. Einerseits fĂŒr uns selbst, andererseits fĂŒr die Mitbringsel da die Abreise seit heute auf einmal relativ nahe war.

Als dann allen der Magen in den Kniekehlen hing haben wir beschlossen etwas Essen zu gehen. Laura kannte ein nettes und gutes Cafe. Nur Martha und ich kamen an der Berlin Bakery nicht vorbei.

Martha hat die dortigen Pommes Frites gut vertragen, ich meine fritierten HĂŒhnchenteile nicht – das Andenken blieb mir noch einige Tage in Form von MagenkrĂ€mpfen und Durchfall. Irgendwann muss ich das Kaufen von so Zeug an StraßenstĂ€nden wohl doch sein lassen. Das Essen im Cafe war dafĂŒr um so besser und es gab auch leckere Schoko-Joghurt-Drinks (und Internet fĂŒr die Kids).

Bangladesch – 31. Mai 2009

Nachdem wir einen großen Teil des Tags vertrödelt hatten (es ist hier aber auch elend heiß) beschlossen wir am Nachmittag noch einen Besuch im Ashan Manzil (auch Pink Palace genannt). Dieser Palast der ehemaligen Herren von Dhaka – den Nawabs – liegt am Ufer des Buriganga und man kann sich noch sehr gut vorstellen welche Pracht das frĂŒher gewesen sein muss als der Fluß noch ansehlich war.

Blick vom Pink Palace auf den Buriganga
Blick vom Pink Palace auf den Buriganga

Schon vor Beginn des 20. Jahrhunderts (so ca. 1871) hatten die Nawabs bereits eine funktionierende Wasserversorgung mit Filtern und Rohrsystemen fĂŒr das Gebiet des heutigen Old Dhaka. Im Inneren des Pink Palace gibt es einiges an AusstellungsstĂŒcken und Bildern. Damals erlebte dieses Gebiet ganz offensichtlich eine BlĂŒtezeit von der heute leider nicht mehr viel zu sehen ist.

Nachdem ein Monsunregen eine schöne AbkĂŒhlung verursacht hatte (so auf ca. 29 Grad ) beschlossen wir noch zu Fuß in das Gassen- und Straßengewirr von Old Dhaka einzutauchen um die Bycicle Street aufzusuchen. In dieser Straße sollte es lt. Lonely-Planet-ReisefĂŒhrer schöne Souvenirs der Rickschakunst geben. Nach langer Suche fanden wir die Straße, konnten aber auch mit Hilfe von Passanten und HĂ€ndlern nichts wirklich Schönes auftreiben. Hier hat der ReisefĂŒhrer offenbar ĂŒbertrieben.

Um nun noch ein Taxi zu finden durchquerten wir Old Dhaka vollends. Das war zwar ein ordentlicher Fußmarsch aber es gab auch einiges Interessantes zu sehen – z.B. das Viertel mit PapierhĂ€ndlern oder wie hier zu sehen das Viertel mit ReishĂ€ndlern.

ReishÀndler in Old Dhaka
ReishÀndler in Old Dhaka

Nachdem wir wieder glĂŒcklich zu Hause angekommen waren ging es dann auch gleich wieder los zu Laura. Heute abend wollte sie uns zum Abendessen zu einem Inder ausfĂŒhren. Das Essen dort war prima und so ging auch dieser Tag zu Ende.

Bangladesch – 1. Juni 2009

Der letzte volle Tag in Bangladesch ist angebrochen. Nach einem ĂŒppigen Pancake-FrĂŒhstĂŒck von China haben wir uns schon mal alle von ihr verabschiedet da wir vermutlich erst nach Hause kommen wenn sie schon weg ist.

Anschließend ging es erst mal mit dem GNC wieder rein in das VerkehrsgewĂŒhle von Dhaka.

Ziel war der New Market um fĂŒr den weiblichen Teil der Familie noch nach Saris und fĂŒr die Familien in Deutschland noch Mitbringsel zu kaufen. Dort bereits teilweise erfolgreich gingen wir gleich noch in die GeschĂ€fte außerhalb des New Markets – u.a. ein SchuhgeschĂ€ft. FĂŒr den weiblichen Teil der Familie wieder erfolgreich, fĂŒr Corbinian und mich nicht … SchuhgrĂ¶ĂŸe 46 od. 47 hat hier kein Mensch.

Und weiter ging die Shopping-Tour in das grĂ¶ĂŸte Einkaufszentrum von Dhaka – den Bashundhara City Komplex. Mit acht Stockwerken und mehreren hundert GeschĂ€ften ist das schon wirklich ein ziemlich großes Ding. Kurzfassung: MĂ€dels wieder erfolgreich, Jungs nicht.

Kuppel des Bashundhara City GebÀudes
Kuppel des Bashundhara City GebÀudes

NĂ€chster Programmpunkt sind Henna-Bemalungen … natĂŒrlich … bei den MĂ€dels . Wir sind also erst mal alle zu Laura weil sie die Hennamalerin kennt. Corbinian und ich haben uns an der Stelle aber ausgeklinkt und sind mit GepĂ€ck von Laura schon mal nach Hause zu Korshed. Unter MĂ€nnern haben wir dann schon mal den Abschied zelebriert.

Irgendwann kamen dann auch der Rest der Familie und so ging der Tag langsam zu Ende. Morgen frĂŒh steht um 10:15 Uhr unser Abflug nach Deutschland (via Dubai nach Frankfurt) auf dem Programm. Wir werden so gegen 7:15 bwz. 7:30 Uhr aufbrechen.

Bangladesch – 2. Juni 2009

Das Ende des Aufenthalts bzw. Urlaubs in Bangladesch war erreicht. Der Abflug war zwar erst um 10:15 Uhr, aber da Korshed meinte es wĂ€re sinnvoll wirklich 2 Stunden vor dem Abflug am Flughafen zu sein mussten wir entsprechend frĂŒh raus. Korshed hatte uns fĂŒr 7:15 Uhr einen Minibus als Taxi bestellt und so klingelte der Wecker schon um 6:30 Uhr. Irene hatte in der Nacht schon alles gepackt und so ging es nur fĂŒr alle darum sich selbst noch zu richten. Laura hatte auch bei Korshed geschlafen um auch mit uns zum Flughafen zu fahren.

Da China so frĂŒh noch nicht da ist ging es dann ohne FrĂŒhstĂŒck runter um auf unser Taxi zu warten. Das kam dann erst so gegen 7:45 Uhr und brachte uns dann ein letztes Mal durch das VerkehrsgewĂŒhl von Dhaka zu unserem Bestimmungsort – dem internationalen Flughafen von Dhaka. Die Abfertigung dort ging dann sehr schnell von statten und wir hatten noch genĂŒgend Zeit um uns an einem Kiosk noch ein „FrĂŒhstĂŒck“ in Form von Cola und Chips zu besorgen. So verbrachten wir die letzten Stunde(n) zusammen mit Laura die gerne mitgeflogen wĂ€re. Unaufhaltsam ging es dann aber dem Abschied entgegen …

Wir freuen uns schon alle wenn Laura dann Mitte des Jahres auch wieder heimkommt!

Unsere Emirates-Maschine (Boeing) von Dhaka nach Dubai
Unsere Emirates-Maschine (Boeing) von Dhaka nach Dubai

Heimreise von Dhaka (via Frankfurt):

  • Abflug: Dhaka 10:15 Uhr mit EK583
  • Dubai an: 13:05 Uhr
  • Dubai ab: 14:30 mit EK047
  • Ankunft: Frankfurt 19:20 Uhr am 2. Juni 2009
  • Meckenbeuren am 3. Juni 2009 um 0:40 Uhr

Um ca. 1:00 Uhr waren wir dann in Tettnang und wurden freudig von unseren Katzen begrĂŒĂŸt. Glöcklers hatten uns fĂŒr den ersten Heißhunger noch diverse gute Sachen hingerichtet (Bananen, Kekse, Äpfel, SĂŒĂŸigkeiten, …) und so konnten es sich alle je nach persönlichen Vorlieben gleich noch gut gehen lassen (mache gingen erst mal wieder schön Duschen :-) ).

Nach ĂŒber 22 Stunden Reisezeit fielen dann alle der Reihe nach ins Bett und so ging die Reise dann zu Ende.
The end