Iran 2018

Selbst gemalte Bordkarte von Laura

Puh … wo fange ich eigentlich mit dem Beitrag hier an. Nun … eigentlich da wo alles begann … irgendwann, so in den 1990-ern (vermutlich so 1985), als ich beim Studium insbesondere einen iranischen Kommilitonen, hallo Fari, kennen gelernt habe. Er ist mir bis heute durch seine Freundlichkeit, seine sympathische Art und Herzlichkeit in Erinnerung geblieben. In diversen Gesprächen erwachte durch ihn, seine Erzählungen, das Essen das er kochte, … das Interesse an Iran. Das waren so die Zeiten in denen die iranisch Revolution so richtig blühte, Irak-Iran-Krieg, … aber egal, Iran hörte sich spannend an und wenn die Leute so ähnlich wären wie Fari, und was er so erzählte, dann musste das ein tolles Land sein.

Und wie das Leben dann so ist, man studiert, es kommen Kinder, so manches im Leben ist anders als in Phantasieträumen. Das Studium ist irgendwann fertig, Job, Geld verdienen, Kinder wachsen heran, … der Traum bleibt über all die Jahre und die Kinder scheinen, ich hoffe wir waren da schon etwas daran beteiligt, die Reiselust mitzunehmen. Laura, unsere Älteste, war dann z.B. bis 2017 schon zwei Mal für mehrere Wochen in Iran, und ihre Erzählungen waren wie die von Fari.

So gute 30 Jahre später, an Weihnachten 2017, öffne Irene und ich unser Weihnachtsgeschenk, einen unscheinbaren Briefumschlag. So einen von der Art „uns ist nichts eingefallen, dann gibt es eine nette Anregung oder einen Gutschein„.  Die selbst gemalte Bordkarte, die unter anderem diesem Umschlag entsteigt, trägt die charakteristischen Gestaltungsmerkmale unserer ältesten Tochter. Und hinten dran ist, wie ich gleich lernen darf, dieses Mal kein unverbindlicher Flugplan oder ähnliches, sondern ein gebuchtes und bezahltes e-Ticket von Basel nach Teheran, und zurück!

Selbst gemalte Bordkarte von Laura
Selbst gemalte Bordkarte von Laura

Irene bekommt in einem weiteren Umschlag das Gleiche, war an der Planung aber schon im Vorfeld beteiligt um meinen Kalender zu sichten und sicher zu stellen, dass da auch kein Termin rein rutscht.

Der Traum wird wahr! Danke an euch alle, die ihr in irgendeiner Form beteiligt gewesen seid!!!

Ich erspare euch LeserInnen mal noch wie ich noch in der Weihnachtszeit Fari wieder fand und Kontakt aufnahm – hoffentlich klappt es mit dem von ihm angebotenen Treffen, ich habe nämlich leider den weiteren Kontakt über das Jahr durch zu viel Arbeit wieder vergeigt. Aber das wird noch – versprochen!

Die Reiseplanung … nun … eher „ungeplant“

Tja … Weihnachten vergeht, das neue Jahr beginnt, s’goaht dagegah – die Fasnet kommt und geht, wie üblich geht die Arbeit nicht aus, und irgendwann wird es zeitlich dann schon knapp. Wir haben Ende April / Anfang Mai, und am 18.5. geht schon unser Flug. Mit der bisherigen Erfahrung was Visa angeht mache ich mich mal daran unsere beiden Visa zu beantragen. Beantragung über eine Website dir direkt von Iran aus zur Verfügung gestellt wird. Die Plattform ist ansprechend, funktioniert prima (wenn man bei nicht vorhandenen Telefonnummern einfach eine Null eingibt), irgendwie anders als das sonst bei anderen Ländern war. Ok, Reisepässe in Umschlag und ab an das Generalkonsulat des Iran in München. Zwei Tage später (!!) klingelt das Handy und das Generalkonsulat ist dran: Haben Sie bezahlt? Wann wollen Sie eigentlich reisen? Ja – ok, hätte man in einem Begleitschreiben beilegen können, aber irgendwie war die Prozedur unklar. Ich überweise also und schicke die Belege ab. Zwei Tage später, wieder Anruf: Wann wollten Sie noch mal reisen? Ich sag’s und ein paar Tage später, ta-ta-Ta, die Reisepässe mit Visa liegen wieder bei uns. Respekt! Fängt gut an!

Kopfbereich des Visums für Iran
Kopfbereich des Visums für Iran

Zwei Reiseführer wurden auch angeschafft. Laura hatte mir zwar ihren Lonely Planet leihweise überlassen, zusammen mit dem Lonely Planet Phrasebook für Farsi (Persian), aber der Reiseführer war nun doch schon 10 Jahre alt, und so haben wir uns einen aktuellen Lonely Planet gegönnt und gleich noch einen Reiseführer eines anderen Verlags dazu.

Reiseführer, Sprachbuch, SIM-Karte, ...
Reiseführer, Sprachbuch, SIM-Karte, symbolischer Geldbetrag in Rial, Metro-Karte ezpay für Teheran, …

Vorbereitung & Planung wird konkreter …

Irene hat die ganzen letzten Tage massiv den Reiseführer gewälzt, das Internet von vorne bis hinten durchsucht, und mal eine zeitliche und örtliche Planung gemacht. Ich selbst muss gestehen, dass ich bislang nur so im Reiseführer geschmökert habe und erst Heute mal so richtig angegriffen habe.

Wir haben uns nun grundsätzlich für die klassische Route die wohl die meisten Iran-Neulinge machen entschieden. Besuchen wollen wir Teheran, Kaschan, Isfahan, Yazd und Shiraz. Außerdem ist noch eine Zugrundreise mit der Transiranischen Eisenbahn auf der nördlichen Route vorgesehen. In welcher Reihenfolge, und mit welchen Reisemitteln müssen wir auch noch sehen.

Gestern war ich mal noch schnell bei VAUDE, Regenjacke und ein paar Trecking-Hemden kaufen. Irene hat dann noch absolut leichte und aufblasbare Kopfkissen entdeckt. Zusammen mit den schon in Karlsruhe gekauften superleichten Luftmatratzen sind wir damit für die Nächte sehr gut ausgestattet.

Ein billiges MEDION-Netbook, mit Touchscreen, wurde schon vor etlichen Tagen angeschafft und musste erst mal das Löschen von Windows 10 verkraften – dafür hat es jetzt ein schönes Linux :-).

Die meisten Gedanken musste ich mir allerdings rund um Messenger für das Smartphone machen. In Iran wird wohl primär Telegram als Messenger verwendet. Die bislang kontaktierten Couchsurfer (ja, wir wollen auch Couchsurfing praktizieren) haben aber auch meist WhatsApp. Beides für mich bislang ein absolut 100%-iges No-Go! Undenkbar! Auf meinem primären Smartphone-Konto bleibt es auch weiterhin – das bringt mein Datenschutzherz nicht fertig. Aber ich habe einen Ausweg gefunden. Mit einer 2. SIM-Karte von Aldi, somit anderer Telefonnummer, und einem zweiten, abgeschotteten Android-Benutzerkonto auf dem gleichen Smartphone, konnte ich WhatsApp, Telegram, Instagram installieren (sozusagen, frei nach George Bush, die digitale „Achse des Bösen“) ohne meine Prinzipien über Bord zu werfen. Zumindest für die nächsten gut zwei Wochen ist somit die Kommunikation mit iranischen Kontakten möglich.

Die letzten drei Tage vor der Abreise haben wir dann das gemacht was eigentlich die vier Monate davor schon wichtig gewesen wäre – uns konkret mit dem Land zu beschäftigen, eine Reiseroute festzulegen, Bargeld abzuheben, über Couchsurfing auch mal Kontakte zu knüpfen … . Ich habe mich dann mehr und mehr über mich selbst geärgert weil ich diese lang erträumte Reise so schlecht vorbereitet habe und immer mehr Punkte auftauchten die man schon länger hätte wissen können. Die Nervosität stieg dann doch ordentlich.

Es geht los … 18./19. Mai

Nachdem wir am Vorabend noch den Rest Bargeld geholt hatten, u.a. weil der Untermieter meiner meiner Schwester Bernadette uns noch kurzfristig als Geldkuriere engagiert hat, haben wir um 22:00 Uhr (!!! – fettes Danke an Elisabeth) noch Lowa-Bergstiefel für unseren ersten Gastgeber gekauft (eine ganz eigene Geschichte) und dann um 23:00 Uhr mit dem packen begonnen. Um 1:00 Uhr, nach einem notwendigen Absacker, ging es zu einem kurzen, unruhigen Schlaf ins Bett.

Um 5:15 Uhr wieder raus, geduscht, kurz einen Kaffee getrunken und dann ab zu Martha ins Auto und zur Abfahrt nach Friedrichshafen. Mit der Bahn nach Basel und raus zum Euroairport Basel-Mulhouse. Dort gefrühstückt und nach den obligatorischen Dingen wie Check-In und Sicherheitskontrollen, hob am frühen Nachmittag der Flieger nach Istanbul ab.

Nach dem mehrstündigen Aufenthalt ab ans Gate für den Flieger nach Teheran, und vorsichtige Musterung der Mitreisenden. Hmmm … ein paar die wir als Iraner eingestuft haben, aber irgendwie keinerlei Frauen um mal zu checken wie die angezogen sind und was Irene da noch abschauen könnte. Beim Boarding waren dann aber gut die Hälfte Frauen! Chic gekleidet, eine im kurzen Rock, …? So ganz unter uns haben wir dann überlegt wie die wohl die Kleidungsvorschriften einhalten wollen. Beim Verlassen des Fliegers stiegen dann lauter „andere“ Frauen aus als ursprünglich beim Boarding. Während des Landeanflugs hatten die flugs die passenden Klamotten aus den Taschen gezaubert und nun sah das eher so aus wie es laut unserer Vorstellung sein sollte.

Unseren ersten Couchsurfing-Host Meisam, der uns bei 90km Anfahrt (!!!) aus Karadj persönlich um 3:30 Uhr in der Nacht am Flughafen abholte, fanden wir über einen Taxifahrer der ihn anrief auch. Die vorab auf Basis des Couchsurfing-Profils, und der vorab gewechselten Nachrichten entstandenen Vorstellungen bestätigten sich im vollen Umfang. Meisam spricht fast perfekt Deutsch, ist supersympathisch, hat über Bücher und viele vorige Gäste einen unglaublichen Wortschatz, obwohl er ohne Deutschkurs, erst seit drei Jahren, neben der Arbeit Deutsch lernt. Bis ca. 7:00 Uhr haben wir dann noch bei ihm gequatscht, gefrühstückt, bevor wir dann doch für 3 Stunden geschlafen haben (zu den Stunden im Flugzeug dazu).

Nach dem Aufstehen um 11:30 Uhr gab es dann ein geniales Frühstück mit iranischem Brot, leckerem Schafskäse, Oliven, Honig, eingedicktem Traubensaft, Rührei, Tee, Sesampaste, Halva, Tahina, … und alles hat auch super geschmeckt! Nebenbei, da Meisam auch genügend Erfahrung mit Ausländern hat, in das Regelwerk iranischer Höflichkeit eingeführt worden – Taarof genannt. In aller Kürze: Da einem die Iraner quasi alles was sie haben anbieten, muss man aus Höflichkeit so ca. drei mal ablehnen. Wird es dann immer noch angeboten, dann gilt das Angebot so wie bei uns und man kann es annehmen. Damit hatten wir dann den Rest des Tages noch viel Spaß, denn wir nahmen in der Macht der deutschen Gewohnheit weiterhin die Angebote beim ersten Mal an.

Erstes Frühstück – lecker

Es folgten etliche andere Dinge, z.B. dass wir gleich zwei SIM-Karten für Telefon und Internet bekamen, und unser Geld gewechselt wurde, aber vor allem hat Meisam auch die Buchung einer eintägige Zugrundreise in den Norden versprochen. Dort ist die Eisenbahn wohl in einer technischen Meisterleistung in die Berge gebaut worden und soll sogar die rätische Bahn in der Schweiz übertreffen. Wir werden das hoffentlich am 31.5. zusammen mit Meisam und seiner Frau Mitra machen. Mitra haben wir leider verpasst weil wir noch am gleichen Tag nach Kaschan aufgebrochen sind und sie noch bei der Arbeit war.

Mit Meisam waren wir anschließend noch in Karaj (Karadsch) unterwegs um durch Geschäfte zu bummeln. Wunderbare Gewürzhandlungen mit unglaublichen Düften, Süßwarengeschäften mit Baklava das ebenfalls super gewürzt war, Metzgereien, Bäckereien, … so darf es weitergehen. Nach einer ersten Moschee-Besichtigung ging es dann zum Busbahnhof um mit dem Bus nach Kaschan zu fahren.

Nachdem die Fahrt länger gedauert hat als vorgesehen, sind wir aber trotzdem in der Nacht wohlbehalten in Kashan angekommen. Reiseführerbuch empfahl als Guesthouse die „Old Houses“ im Zentrum, und Laura hatte das Ehsan House bei ihren Reisen schon getestet und für gut befunden. So sind wir dem Rat gefolgt und haben es nicht bereut. Toll!!!

Der Innenhof des Ehsan-Guesthouse in Kaschan bei Nacht

Nach einem Bummel durch die Stadt, leckerem Eis, sind wir nun todmüde und gehen ins Bett.

Kashan, südlich von Teheran, 20. Mai 2018

Nachdem wir endlich mal wieder ordentlich geschlafen hatten, begann der Morgen mit einem Frühstück in wunderbarer Atmosphäre. Frühstücks-„Raum“ ist ein offener Bereich des Gebäudes, links vom weiter oben zu sehenden Teich im Innenhof. Blick durch Weinreben in den Innenhof. Großartig.

Nach dem Frühstück ging es in die Stadt: Bazar anschauen (riesig, gigantisch, toll, …), dann während der Mittagshitze zurück ins Ehsan Guesthouse, und danach zu den alten Häusern, ins alte Hamam, alte Stadtmauer, …

Das alles zu beschreiben wäre vielleicht einem iranischen Dichter möglich. Ich poste statt dessen die Bilder des Tages und lass die sprechen.

Fin Garden in Kashan und Weiterreise nach Isfahan, 21. Mai 2018

Zum Abschluss des Aufenthalts in Kashan stand Heute die Besichtigung einer Quelle und des sie umgebenden Gartens an – dem Fin-Garten bzw. dem Bāġ-e Fīn. Angesichts dessen, dass Kashan eine Stadt in der Wüste ist, ist das natürlich etwas ganz besonderes. Vorher Check-Out im grandiosen Eshan-Guesthouse, incl. dem dortigen deponieren unserer voll gepackten Rucksäcke.

Anschließend dann die Besichtigung des Fin-Gartens, der etwas außerhalb der Stadt liegt. Das Taxi hat uns das Guesthouse geordert, womit das feilschen um den Preis entfiel. Der Garten war den Besuch auf jeden Fall wert. Die Atmosphäre, das Klima, die tollen Gebäude mit ihren Ausschmückungen, … können die Fotos nur ansatzweise wiedergeben.

 

Dann ging es zurück zum Eshan-Guesthouse, Gepäck abholen, mit dem Taxi zum Busbahnhof, Tickets nach Isfahan kaufen und nach kurzer Zeit ab in den „VIP-Bus“. Weiter nach Isfahan. Die Fahrt ging durch die Wüste hoch nach Isfahan, das auf über 1.500m liegt. Man sieht z.B. schon die schneebedeckten Berge.

In Isfahan angekommen ging es mit dem Taxi in die Innenstadt zum Treffpunkt mit unserer Couch-Surfing-Hosterin Raha. Ganz bezaubernde, junge Iranerin, die wie schon Meisam in einem Krankenhaus arbeitet – sie ist aber im Bereich Anästhesie tätig. Sie musste dann auch ziemlich schnell, kurz nachdem wir miteinander warm geworden waren, zur Arbeit – Nachtschicht.

Wir somit ab in die Stadt, kurze Nachtbesichtigung und vor allem Suche nach Futter. In einer Art Schnellimbiss wurden wir dann fündig.

Das Essen war natürlich nichts besonderes, aber es war gut und machte satt. Anschließend ziemlich erledigt nach Hause, Luftmatratzen aufblasen, unsere Kopfkissen aufblasen (VAUDE hat schon geiles Zeug auf Lager) und ab zum schlafen. Wir hatten es echt nötig.

Tag 1 in Isfahan, 22. Mai 2018

Ich mache es Heute auch wieder kurz, mir geht es nämlich nicht so optimal. Der Tag durch die Bazare, die Hitze, zu wenig getrunken, … macht irgendwie platt. Trotzdem haben wir auch heute viel gesehen. Z.B. wie wunderschöne Tücher über zig Stempel, in verschiedenen Farben, zu echten Meisterwerken der Handwerkskunst werden. Aber auch unglaublich viel Touristenkram, denn Isfahan hat jeder Iran-Reisende auf der Liste. Verkäufer die ihr Handwerk mehr als verstehen (da fragt man sich dann schon was unsere eigentlich in der Lehre lernen). Moscheen der besonderen Art – quasi Kathedralen des schiitischen Islams. Ich lass mal wieder eine Bilderauswahl sprechen.

 

Tag 2 in Isfahan, 23. Mai 2018

Nachdem mir Gestern schon nicht so besonders war, hat sich das Heute am Morgen erst mal fortgesetzt. Keine Ahnung von was das kommt – evtl. schlafe ich einfach auf der Luftmatratze mit dem aufblasbaren Kopfkissen schlecht. Egal, im Laufe des Tages ging es mir dann besser.

Heute stand zuerst der Besuch der Sehenswürdigkeiten rund um den zentralen Platz von Isfahan (Meydan-e-Imam) an. Konkret haben wir die kleinere Lotfollah-Moschee und danach die große Imam-Moschee angeschaut. Obwohl sich all die Moscheen im Prinzip ähneln, hat doch jede ihre Besonderheiten. Grundsätzlich faszinieren aber in jeder Moschee erneut die Dimensionen und die Pracht der Kuppeln, der Ornamente, der Gänge, der Kacheln, … .

Eigentlich wollten wir danach noch diverse Paläste anschauen. Wie wir dann aber beide festgestellt haben, war irgendwie die Luft raus und wir haben auf diese Besichtigungen verzichtet. Während eines erholsamen in der Gegend-rumsitzens (durch den Ramazan leider einfach nur so, und nicht in einem Café) gesellte sich ein junger Iraner zu uns und wir hatten ein nettes Gespräch. Raha, unser Isfahan-Couchsurfing-Host, gesellte sich dann später auch noch dazu – denn wir hatten ihren einzigen Hausschlüssel dabei.

Irgendwann beschlossen wir dann gemeinsam den Heimweg. Allerdings stand vorher noch ein wenig Shopping auf dem Programm. Die am Vortag entdecken Tücher fanden in Form von Tischläufern den Weg zu uns, und ein nettes Oberteil wechselte auch noch die Eigentümerin.

Im spätnachmittaglichen Gespräch mit Raha, kamen wir dieses Mal u.a. auf das für uns immanente Thema der iranischen Kleiderordnung zu sprechen. Auf der bisherigen Reise konnten wir schon ziemlich viele Varianten sehen. Das reicht von topmodisch (!!!) mit einem elegant übergeworfenen Schal, bis hin zum tiefschwarzen Tschador. Bei Letzterem war uns nun schon klar geworden, dass der „nur“ beim Aufenthalt außer Haus über die sonst getragene Kleidung geworfen wird. Er ist also quasi eine Art „Kokon“ der außer Haus alles verhüllt. Raha, die immer modern und farbenfroh gekleidet ist, sagte zu unserer großen Überraschung, dass sie auch einen Tschador hat und den Nachts zu ihrer eigenen Sicherheit vor zudringlichen Männern (verharmlosende Formulierung) auch trägt. Damit bestand auch die Möglichkeit den Tschador in einer leicht zu tragenden Variante (es gibt zig verschiedene) auch einmal zu tragen (nein, nicht ich :-) ).

Nachdem Raha zur Nachtschicht aufgebrochen war, stellten wir fest, dass wir zu müde, zu faul, zu fertig für ein exernes Abendessen waren. Nach ein wenig Brot ging ich früh schlafen, in der Hoffnung, dass der nächste Tag endlich mal wieder besser wird.

Tag 3 in Isfahan und die Weiterreise nach Yazd, 24. Mai 2018

Erst einmal für das Frühstück eingekauft. Raha hat sich etwas verspätet und so haben wir dann erst mal zu zweit gefrühstückt. Als Raha dann kam, hatte Sie auch Brot eingekauft, es aber speziell für uns beim Bäcker mit einer Extraportion Schwarzkümmel bestücken lassen. Hmmm … lecker.

Vorab hatten wir schon alles gepackt und so kam nach dem Frühstück auch schon die Zeit uns zu verabschieden. Wir hoffen Raha einmal in Deutschland wiederzusehen. Das Haus steht ihr allzeit offen.

Am Abend vorher hatte ich auf unserem 3. Handy, das vorsorglich schon mit allen Google-Komponenten bestückt war, die Snapp-App installiert. Die arbeitet penetrant nur dann wenn Google Play Services vorhanden sind. Snapp ist so was wie Uber – eine Taxi-App. Es gibt viele Fahrer die ihre Privatwagen in der Nicht-Arbeitszeit als Taxi vermieten, und die Steuerung läuft über Snapp. Im Vergleich zu normalen Taxipreisen ein echtes Schnäppchen.

Mit einem Snapp sind wir also dann zu den Brücken am Zayandeh-Fluss gefahren um die anzuschauen. Der Fluss selbst führt seit ein paar Jahren nicht mehr das ganze Jahr Wasser. Um genau zu sein, laut Passanten gerade mal noch ein paar Wochen im Jahr. Hier ist, wenn man sich das Riesenflussbett anschaut, die Wasserknappheit direkt sichtbar. Ein Problem für ganz Iran. Trotzdem war der ca. 3 km lange Spaziergang (mit vollem Backpacker-Gepäck) in den Parkanlagen am Ufer, von Brücke zu Brücke, toll.

Anschließend ging es mit dem nächsten Snapp zum Kaveh-Busterminal. Mit einem der tollen Überlandbusse ging es dann in Richtung Yazd los. Die Busse haben Beinfreiheit, Klimaanlage, Liegeposition, und im vorliegenden Fall sogar ein Entertainment-Terminal in der Sitzlehne des Vordersitzes. Einfach toll. So ist die stundenlange Fahrt durch die Wüste, incl. Windhosen die Sand in die Höhe ziehen, Regenbogen, … und immer netten Iranerinnen, Iranern und deren Kinder ein gutes und erträgliches Erlebnis.

In Yazd dann vom außerhalb liegenden Bus-Terminal in die Stadt und dort, es war dann schon dunkel, für dieses Mal ein Hotel gesucht. Das zweite hat uns dann zugesagt und so logieren wir hier wieder in einem traditionellen Hotel mit dem Namen Kourosh.

Yazd, 25. und 26. Mai

Diese in der Wüste gelegene Stadt ist irgendwie schon etwas ganz besonderes. Hier geht es weniger um die einzelnen Sehenswürdigkeiten. Die sind zwar auch interessant, aber viel beeindruckender ist die gesamte Altstadt als solche – vermutlich deshalb ist sie auch Weltkulturerbe! Ähnlich wie man vielleicht schon mal in Filmen zu nordafrikanischen Städten gesehen hat, besteht die Altstadt aus einer Vielzahl verwinkelter, kleiner Gassen bzw. Gässchen. Manche nur gerade so breit, dass zwei Menschen aneinander vorbei kommen, andere erlauben auch schmäleren Autos die Durchfahrt. Die Begrenzungen sind lehmverputzte Häuser in unterschiedlichsten Höhen. Die gesamte Altstadt wird somit von der Farbe des Lehms dominiert, der aber durch Licht und Schatten durchaus Farbvariationen bietet.

Ebenfalls überall sichtbar sind die sogenannten Windtürme. Sie dien(t)en der Luftzirkulation in den Häusern, Kellern oder Wasserzisternen und -Reservoiren. Frischer Wind von den Bergen wird so in die Türme geleitet, warme Luft herausgeblasen. Die Türme stehen dazu mit der langen Seite immer in Front zu den Bergen.

Je länger man sich Gebäude in Yazd anschaut, desto klarer wird der schon lang anhaltende Kampf um Wasser. So findet man an allen Ecken und Enden diese alten Reservoire die ebenfalls mit Windtürmen versehen sind. Man findet Abgänge zu den alten Kanälen und Reservoiren über die die Menschen früher das Wasser aus der Tiefe geholt haben. Und an ein paar Stellen, z.B. im Wassermuseum, kann man noch Reste der alten Kanäle sehen mit denen das Wasser unterirdisch von den Bergen in die Stadt geleitet wurde. Diese wurden über 70km von Hand im steinigen Untergrund gegraben!

Wir haben hier einfach mal hauptsächlich die Seele baumeln lassen und die Atmosphäre genossen. Zum Beispiel im tollen Venice Café. Bislang habe ich den besten Kaffee meines Lebens in einer kleinen Bar in Rom getrunken, dieses iranische Café hat aber mind. das gleiche Potential oder ist noch besser. Das Venice Café hat einen ganz reizenden Besitzer, der alles nur von Gästen gelernt hat. Trotzdem thront da eine italienische Kaffeemaschine vom Feinsten, garniert mit allerlei weiteren Geräten und vor allem italienischen Bohnen. Am ersten Tag haben wir ihm gesagt wie bei uns Eiskaffee aussieht, die Zutaten gesagt und Fotos im Internet gezeigt. Am nächsten Tag hat er ihn uns als Original serviert – lecker. Wir haben es genossen!

Oder das Brot des nachfolgend gezeigten Bäckers. Direkt, heiß aus dem Ofen genossen eine wahre Gaumenfreude. Die IranerInnen kaufen das immer gleich stapelweise da es zu jedem Essen gehört. Als die gemerkt haben, dass wir nur ein Brot wollten, sollten wir immer die Schlange verlassen um nicht warten zu müssen. Wir mussten uns immer wehren, und am 2. Tag hat es uns ein anderer Wartender als Geschenk auch noch bezahlt. Fast peinlich, aber sehr, sehr nett!

In Yazd gibt es auch bis heute eine Zarathustrier-Gemeinde. In deren Feuertempel brennt z.B. ununterbrochen seit hunderten von Jahren ein Feuer.

Und weitere Dinge, wie Moscheen, religiöse Gegenstände, weltliche Dinge, … gibt es natürlich auch zuhauf. Man wird fast nicht fertig mit anschauen.

Von Yazd nach Shiraz, 27. Mai 2018

Am Morgen erst mal Check-Out im Hotel Kourosh. Außerdem haben wir beschlossen doch nicht erst in der Nacht mit einem Nachtbus nach Shiraz zu fahren. Statt dessen wollen wir die Mittagszeit, die ohnehin heiß ist, für die Reise nutzen. Am Morgen gehen wir aber erst mal noch auf  eine Reiseagentur um Flugtickets von Shiraz nach Teheran zu kaufen. Das erweist sich als unproblematisch und bezahlbar und so sind wir nun im Besitz von Tickets um am 29. Mai am Abend nach Teheran zu fliegen.

Anschließend noch mal in das Hotel, etwas ausruhen, trinken, … und dann geht es mit einem Snapp zum Busbahnhof von Yazd (am Flughafen). Ruck zuck sitzen wir im Bus und warten auf die Abfahrt. Ein Ticket haben wir seltsamerweise :-) nicht erhalten, werden dafür aber persönlich zum Bus gebracht und erhalten die Sitzbank in der 1. Reihe, direkt hinter den Sondersitzen für den Ersatzfahrer und den Busbegleiter. Erneut haben wir so einen VIP-Bus der das Busreisen zu einem wahren Vergnügen macht. Vollklimatisiert, einen Sitz wie man ihn zu Hause nicht mal immer als Fernsehsessel hat, und (für mich immer ein Riesenärgernis in unseren deutschen Transportmitteln) Beinfreiheit ohne Ende!!!

Man kann es sich fast nicht vorstellen, aber so machen dann auch ca. 6 Stunden Busfahrt richtig Spaß. Wir haben fast das Gefühl wirklich zu Hause im Sessel zu sitzen, und die vorbeiziehende Landschaft in einem Panorama-Fernseher oder -Kino zu sehen. Es fehlt nur jemand der regelmäßig frische Getränke reicht :-).

Es geht in das Gebirge hoch, wieder runter, Hochebenen, Wüsten, Felsformationen … stundenlang. Mir selbst erschien es oft wie in alten Western-Filmen, oder wie meine Fantasie es mir in den Karl-May-Büchern vor das geistige Auge brachte. Mit Bildern aus dem Bus heraus, ist das nicht wirklich darstellbar. Trotzdem hier mal eine Auswahl.

In Shiraz wollten wir eigentlich wieder per Couchsurfing in Kontakt zu IranerInnen kommen. Leider kamen die Arrangements nicht zu Stande. So stand nach der Ankunft in Shiraz erst einmal Hotelsuche auf dem Programm. Am Busterminal lies sich einer der lästigen Taxifahrer partout nicht abwimmeln. Er kenne außerdem ein gutes und günstiges Hotel in der Stadt, direkt am Zentrum. Die üblichen Versprechen eben. Den Fahrpreis von 10.000 Tuman lies er dann aber ohne Diskussion auf 5.000 Toman runter handeln (Danke Mama!). Das Hafez-Hotel sah ganz ok aus und Irene hat die Zimmer begutachtet, während ich an der Rezeption gewartet habe. Wie üblich – Stehtoiletten. Irene durfte dann noch ein Zimmer mit Western-Style-Toilette besichtigen, wobei im Zimmer zur Überraschung aller ein Mann im Bett lag :-). Nun gut … für die Stehtoilette gab es noch mal Discount, wobei das wohl eher an der saure Gurkenzeit „Ramazan“ für Hotels lag. Wir haben hier also ein recht akzeptables Hotel, das nicht im Lonely Planet steht, und wirklich in der Stadt ist.

Bevor wir uns etwas für das Abendessen gesucht haben, ging es zu einem Spaziergang in die Stadt. Nichts weltbewegendes auf den ersten Blick, aber wieder meine Lieblingsgeschäfte – Gewürzhändler, Nusshändler, … . Einfach schön zu sehen, und auch schön zu riechen!

Persepolis, 28. Mai 2018

Vorab: Persepolis (siehe Wikipedia-Link) war eine altpersische Residenzstadt. Namen wie Darius, Xerxes, Artaxerxes, … gehören zu dieser Stadt. Sie wurde, so die derzeitige Interpretation, von Alexander dem Großen zerstört.

Gleich Gestern haben wir an der Hotelrezeption noch einen Tipp des Lonely Planet befolgt. Wir haben für die Persepolis-Ruinen, die wir von der Basis Shiraz aus heute besuchen, keinen Tour-Guide gemietet sondern nur einen Fahrer der uns hin und zurück fährt. Das ist billiger und mehr als in unseren beiden Reiseführern steht wollen wir als Archäologie- und Geschichtslaien gar nicht wissen. Das bedeutete am Morgen mal wieder den Wecker stellen, denn die Fahrt in das ca. 40km entfernte Ruinenfeld von Persepolis begann um 8:00 Uhr, vorher noch kurz Frühstück.

Da unsere Vorbereitung ja durchaus liederlich war, haben wir uns mit den beiden Iran-Büchern im Auto  eingelesen und fühlten uns soweit für die Besichtigung gerüstet. Das hat, kann ich gleich verraten, auch ziemlich gut gepasst. Wir haben länger gebraucht als die ganzen Reisegruppen und haben uns gewissenhaft alles angeschaut :-).

Trotz des hohen Grads an Zerstörung eine imposante Anlage! Hier drei, eigentlich zusammengehörige, ineinander übergehende Bilder, um die Ausdehnung dieser Anlage zu erahnen.

Den Abschluss des Ausflugs bildeten die ca. 7km entfernten Felsengräber von Naqsh-e Rostam (siehe Wikipedia-Link).

Mit all diesen Eindrücken dann wieder zurück in das Hotel. Mit 36°C war es Heute sauheiß – zumal einem die Sonne hier dann doch direkter anbrutzelt als bei uns. Im Hotel dann Mittagsschläfchen, Lesen, Blog updaten, Dienstmails beantworten, … und dann irgendwann beschließen, dass wir jetzt eigentlich wieder raus können um vielleicht etwas zu Essen zu finden, den Rest des Bazars anzuschauen, etc..

Das mit dem Essen ist im Ramazan doch recht schwierig. Es gibt im Prinzip immer Getränke und Chipstüten etc. zu kaufen. Den Verzehr soll man dann entsprechend vorsichtig und verborgen machen. Wie das geht zeigen einem so gut wie alle IranerInnen die da unterwegs sind. Bei 36°C ist das ohne Trinken auch nur auszuhalten (soweit überhaupt sinnvoll) wenn man den ganzen Tag liegen bleibt und nicht arbeiten muss. Die IranerInnen müssen aber auch arbeiten und so sieht man allenthalben den verstohlenen Griff zur Wasserflasche, was wir dann eben auch gemacht haben.

Essen kaufen ist dann doch eher schwierig. Heute bestand das aus Speiseeis einer Eisdiele. Auch wir erkennen nämlich zwischenzeitlich Geschäfte in denen das Rolltor nur halb zu ist und dahinter Aktivitäten sind. Flugs standen wir auch in der Eisdiele. Der dortige Chef machte uns durch Handzeichen klar, dass wir Eis bekommen, dann aber weit von seinem Geschäft zu verschwinden haben. Haben wir ordnungsgemäß gemacht.

Der „Rest“ des Bazars war dann der südliche Hauptteil. Ein Riesengewirr an Gassen und bei weitem nicht so touristisch verseucht wie z.B. in Isfahan.

Ich habe heute auch mal versucht Personen auf den Fotos zu haben. Bei uns in Deutschland ist der Iran ja vor allem durch Bilder von im schwarzen Tschador verhüllten Frauen bekannt. Für uns Deutsche doch eher verstörend. Was man hier dann aber sieht ist doch eher differenzierter zu betrachten. Ja, es gibt wie schon bei dem Bericht aus Isfahan zu lesen diese Tschador tragenden Frauen. Und ja, es sind durchaus viele. Es fällt einem aber auch sehr schnell auf, dass der Tschador nur wie ein Mantel über der darunter befindlichen normalen Kleidung getragen wird. Durch die schwarze Farbe, und den zusätzlichen Stoff, definitiv eine Zusatzbelastung. Am Anfang aber erstaunlich, dass die Gesichter dieser und aller anderen Frauen vor Selbstsicherheit und Stolz leuchten. Da schaut keine dieser Frauen weg, keine ist verlegen! Von jung bis alt wird der ausländische Besucher offensiv angeschaut, gemustert, angelächelt, gegrüßt, angesprochen …! Am Anfang ein harscher Kontrast zu dem was man(n) hier erwartet, aber ein sehr positiver Kontrast.

Bei den Fotos habe ich dann mal versucht auch die anders gekleideten Frauen abzulichten, einen allgemeineren Überblick zu zeigen, durchaus mit der Absicht die Freundlichkeit zu zeigen die sich einem hier auftut.

Ach ja … Irene hat dann noch ein seit Tagen verfolgtes Ziel in die Tat umgesetzt. Und zwar kaufen wir schon seit einer Weile in jedem Land in dem wir sind als Reisemitbringsel ein paar Wäscheklammern. So ganz ohne Begleitung die das Wort „Wäscheklammern“ übersetzt ist das aber in Iran nicht so ohne weiteres möglich. Hallo Kids, ihr kennt Mamas Geschick bei Pantomime? Nun … hat sie hier auch angewendet …. und ruck-zuck haben mal kurz vier Frauen mit Irene Wäscheklammern gesucht und gefunden – wir haben also welche aus Iran :-)

Schiraz, 29. Mai 2018

Am Morgen sind wir, um der Hitze und den anderen Besuchern zuvor zu kommen, wieder früh aufgestanden. Ganz oben auf unserer Liste für den heutigen Tag stand die Moschee Nasir ol-Molk. Die hier zu findenden Kacheln an den Wänden sind nicht wie meist in Blautönen gehalten, sondern in Rosa und Gelb. Außerdem hat diese Moschee einen berühmten Gebetsraum der mit Buntglasscheiben ausgestattet ist. Die einfallende Sonne gibt dem Raum eine ganz besondere Note.

Anschließend ging es zum Gästeteil eines Stadtpalasts einer Shirazer Familie. Der Palast hat den Namen Baq-e Narenjestan. Im Untergeschoss gab es erst mal einen Kaffee, bevor wir uns dann dem reich verzierten Gebäude annahmen.

Anschließend gingen wir zurück zum Hotel, denn die Temperaturen waren schon in der Gegend knapp unterhalb 40°C. Der Plan war es, dort im klimatisierten Hotelzimmer bis ca. 15:00 Uhr abzuwarten. Laut Hotel-Rezeption sollte das möglich sein, wobei die Mitarbeiter/innen schon auffällig schlecht Englisch konnten. Ich habe ihnen die Uhrzeit dann noch mal schriftlich auf dem Handy gezeigt, und dann war Check-Out doch um 12:00 Uhr – super :-(, dann also Check-Out in etwas kürzere Zeit, das Gepäck deponiert und wieder ab in die Stadt um im Bazar die Zeit totzuschlagen.

Davon hatten wir allerdings auch irgendwann die Nase voll, zumal im Bazar ab ca. 13:00 Uhr viele der Läden über die Mittagszeit schließen. Also um 15:00 Uhr dann das Gepäck aus Hotel geholt, mit einem Snapp zum Flughafen, denn klimatisiert am Flughafen warten hat ja auch was. Wären da nicht gelegentlich Verspätungen. In unserem Fall wurden die sogar immer wieder verlängert, so dass unser Flieger statt um 17:45 Uhr erst um 20:45 abhob.

Meisam u. Mitra holten uns am Inlandsflughafen in Teheran ab. Das war unser erstes Treffen mit Mitra, denn bei unserer ersten Ankunft in Teheran hatten wir sie ja gar nicht gesehen. Nach einer weiteren Stunde waren wir dann wieder in deren Wohnung in Karadj.

Wir haben dann noch eine gute Weile geredet, Mitra besser kennen gelernt, und sind dann todmüde ins Bett gefallen. Am nächsten Tag stand ja ein Ausflug irgendwohin in den Norden an.

Karadj, Kandelous – 30. Mai 2018

Ja … am nächsten Morgen wurde dann gepackt, und irgendwann wurde uns dann klar, dass wir keinen Tagesausflug machen, sondern erst in 3 Tagen wieder zurück sind. Also die notwendigsten Sachen in einen Rucksack vereint, und los ging es. Über die berühmte Straße nach Chalus ging es los in die Berge des nördlich liegenden Alburz-Gebirges, bei uns Elburs-Gebirge genannt. Unterwegs am Straßenrand dann Frühstücks-Pause. Hier haben wir dann auch eine neue Seite von Meisam kennen gelernt – er hat immer einen Plastiksack dabei und sammelt dann Abfall auf solchen wilden Rastplätzen. Bis wir mit dem Frühstück fertig waren, hatte er den gesamten Platz gesäubert und dafür einen großen Müllsack voll Abfall. Ein Vorbild.

Das Alburz-Gebirge (Elburs-Gebirge) selbst ist eine geniale Landschaft aus unterschiedlichsten Bergformen, es war endlich auch kühler, und wir fuhren tiefer und tiefer hinein. Ca. 20km v. Chalus (am kaspischen Meer) bogen wir rechts ab, um zu einem Ort namens Kandelous zu fahren. Mitra und Eisam waren dort auch noch nie, es sollte aber toll sein und die beiden wollten das mit uns besuchen. Na dann. Irgendwie haben wir aber einen weiteren Abzweig verpasst und irgendwann am Wegrand bei einem Gehöft angehalten. Dort war eine Ziegen- und Schafshirtenfamilie bei der Arbeit. Sie machten aus der Milch diverse Produkte, z.B. Ayran, Joghurt, Butter, … die wir dann auch direkt dort gekauft haben. Außerdem wollten sie ihre 5 unverheirateten Söhne mit unseren Töchtern verkuppeln – ernsthaft! Wir hatten Riesenspaß mit der kurdisch-stammigen Familie!!!

Da wir zu weit gefahren waren, ging es anschließend 20 Minuten zurück um dann links nach Kandelous abzubiegen. Dort Mittagessen am Kofferraum und anschließend das Dorf- bzw. Anthropologie-Museum mit allerlei zusammen getragenen Dingen besucht. Nichts ultimativ spektakuläres, aber trotzdem ganz interessant und teilweise sehr, sehr alte Stücke!

Hotels gab  es im Ort keine, aber Meisam hat kurzerhand ein Ferienhäusle gemietet, wir fuhren hin, haben uns eingerichtet, eingeheizt (statt 34° wie in Schiraz, hatten wir nun 14° in den Bergen) und dann ging es los in Richtung Bergdorf um dort etwas zu Essen – im Restaurant hatten wir uns vorab angekündigt.

Unterwegs kamen wir allerdings an der dortigen Moschee vorbei. Dort startete gerade das gemeinschaftliche Fastenbrechen. Wir wurden quasi fast hineingezogen, auf jeden Fall eingeladen. Ok, auch der Hinweis, dass wir ja Christen sind wurde hinweg gefegt. Und so saß nach kurzer Diskussion Irene u. Mitra (hinter einem Vorhang) bei den Frauen in der Moschee, während ich in der Männerabteilung auf dem Boden saß. Es gab leckeren Reis m. Hähnchen, Datteln, Tee, Käse, … und ein herzliches Willkommen. Neben mir der Mathelehrer des Dorfs, schräg gegenüber ein Maschinenbau-Prof. v. irgendeiner Uni, … war echt toll.

Vor Ort noch den Friedhof besichtigt. Auch das machen wir oft, denn in anderen Ländern ist die Friedhofskultur auch anders und (wie wir finden) interessant. Erschreckend waren die sogenannten Märtyrer-Gräber. Alle Gefallenen der Kriege sind Märtyrer. Eines der Gräber war dann von einem 16-jährigen der im Irak-Iran-Krieg gefallen ist. Wie bei allen sinnlosen Kriegen, und religiös (mit)motivierte Kriege fallen da alle darunter, hoffe ich die Verantwortlichen werden später von „ihrem Gott“ zur Rechenschaft gezogen.

Kandelous n. Royan am kaspischen Meer – 31. Mai 2018

Am Morgen, nach dem Frühstück, kleine Wanderung an einem Berg in Kandelous. Dann Abfahrt nach Royan am kaspischen Meer. Dabei kamen wir wieder bei der kurdischen Hirtenfamilie vorbei. Dieses mal waren zwei der fünf noch zu habenden Söhne anwesend und wurden live angepriesen. Bei Interesse bei mir melden, dann rücke ich die GPS-Koordinaten raus.

Die Reise ging stundenlang durch das Hochland. Wir haben viel gesehen, unterwegs an einem Straßenstand noch Essenspause gemacht und wunderbar frisches und leckeres Brot bekommen. In Royan angekommen, waren wir aber alle doch ziemlich am Ende. Hotels gibt es hier in Royan leider keine. Unsere iranischen Freunde Mitra und Meisam konnten aber die Werbeanzeigen für Ferienzimmer u. Apartments lesen, und während wir im Auto warteten hat Meisam das alles geregelt. Wir kamen also auch hier gut unter.

Nach dem Abendessen unternahmen wir noch einen nächtlichen Strandspaziergang. Unter anderem hatte es bei uns in der Nähe einen kleinen Vergnügungspark, mit Drachenschaukel und Boxauto. War sehr witzig da ein wenig zuzuschauen. Mit einem Eis aus der „original italienischen Eisdiele“ ging es dann nach Hause und ins Heia.

Royan, zurück nach Karadj – 1. Juni 2018

Heute Morgen gab es erst mal eine Überraschung zum Frühstück. Meisam zieht ja jeden Morgen los und holt frische Eier damit es Rührei zum Frühstück gibt. Heute hat er aber zusätzlich noch eine ordentliche Portion Rinder-/Schafs-Hackfleisch mitgebracht. Zusammen mit den Eiern und diversen Gewürzen zauberte er damit erneut eine Bereicherung für das Frühstück.

Anschließend ging es an den Strand des kaspischen Meers. Im Verlauf unseres dortigen Spaziergangs füllte sich der Strand dann doch ganz ordentlich. Für uns absolut ungewohnt:

  • Da es keine große Ebbe und Flut gibt, fahren hier alle mit dem Auto direkt an den Strand, parken das Auto ein paar Meter vor dem Wasser, und machen dann Picknick vor oder neben dem Auto. Sieht für uns echt ungewohnt aus.
  • Im Wasser sind primär mal die Kinder. Wenn wir den ganzen Morgen 5 Erwachsene gesehen haben, war es viel.
  • Frauen dürfen in voller Montur auch zum Schwimmen. Es gibt aber auch eigene Bereiche die für Frauen reserviert sind.  Dort ist dann auch Baden im Bikini erlaubt. Aktuell waren zwar die Bereiche sichtbar (durch Stahlstangen eingezäunt), die Vorhänge waren aber noch nach oben gerafft und alles wurde erst für nächste Woche vorbereitet. Nächste Woche wird nämlich mit einem großen Besucheransturm gerechnet, denn es gibt mehrere religiöse Feiertage. Unter anderem der Todestag von Khomeini, den aber scheinbar viele Iraner/innen lieber im Norden im Urlaub verbringen.

Meisam tobte sich erst mal mit einem gemieteten Jet-Ski aus bevor wir dann noch Angler, Reiter, die üblichen Strandverkäufer, … bei einem Spaziergang beobachteten.

Irene und ich haben auf ein Bad verzichtet, u.a. weil wir nicht genug Klamotten mitgenommen hatten, und außerdem beide von Kopfweh geplagt waren. Letzteres wurde mit ein paar Dolormin im Laufe des Tages bekämpft.

Nach diesem trotzdem erholsamen Spaziergang, ging es zurück in das gemietete Apartment, nochmal Duschen, alles ins Auto schaffen und dann ging es auf den Weg zurück. Dieses Mal aber nicht über die Chalus-Straße, sondern weiter östlich über die 77. Dabei noch einen Straßen-Bazar mitgenommen. Außerdem erneut die wahnsinnige Bergwelt des Alburz-Gebirges genossen und Unmassen an Fotos aus dem Auto heraus geschossen. Den 5.000-er Berg Damavand bekamen wir leider nur ganz kurz aus dem Auto heraus zu sehen. Er war in dunkle Wolken gehüllt und mangels Zeit haben wir deshalb dann auch keinen gesonderten Abstecher gemacht um ihn zu sehen. Die Temperaturen schwankten dann auch wieder erheblich – von 36°C weiter unten, bis 14°C weiter oben, und wieder zurück auf 34°C.

Der Weg selbst ist zwar bzgl. Kilometern überschaubar, aber das zieht sich durch die Gebirgsstraßen und den Verkehr doch erheblich in die Länge. Heute war außerdem Freitag, was unserem Sonntag entspricht, und so waren am Abend viele andere Iraner mit uns unterwegs zurück zur Hauptstadt oder deren Vororten.

Vom vielen Autofahren ziemlich erschöpft fuhren wir dann, Meisam applaudierend, in den Hof ihres Hauses. Er hatte uns in den letzten drei Tagen unermüdlich und gut chauffiert! Dafür auch hier noch mal herzlichen Dank. Mit ein paar nicht-alkoholischen Getränken (also heute hätten wir ein Radler gerne gehabt) und einem Abendessen ging dann auch dieser Tag zu Ende. Nachfolgend noch eine kleine Fotoauswahl.

Abreisetag und Rückreise – 2. und 3. Juni 2018

Nach den drei strapaziösen Reisetagen zum kaspischen Meer und zurück, haben wir heute Nacht tief und fest geschlafen. Mitra musste, nachdem wir sie noch kurz gesehen haben, leider gleich am Morgen für einige Stunden zur Arbeit, und so genossen wir das Frühstück mit Meisam erst mal nur zu dritt. Die noch anstehenden wichtigen Dinge, z.B. Rial-Rücktausch in Euros, hatten wir schon am Vorabend erledigt. Meisam ging dann mit uns noch mal nach Karaj um nach Souvenirs etc. Ausschau zu halten. So richtig gefunden haben wir nichts, aber es war trotzdem eine schöne Tour.

Nach unserer Rückkehr war Mitra auch schon wieder da, und das Mittagessen bestand aus einem tollen Fisch- und Reisgericht, das Mitra noch in der letzten Nacht gekocht hatte. Sie meinte wir essen gegen später noch, aber wir waren dann alle müde und gingen schlafen. Das Essen war aber auch am heutigen Tag noch lecker.

Wir planten dann unsere Abreise, denn insbesondere Irene wollte noch Erfahrung mit der Teheraner Metro sammeln. Entgegen den Ratschlägen von Meisam und Mitra verzichteten wir also auf ein Taxi, verabschiedeten uns von der Familie die im gleichen Haus wohnt und ließen uns zur Metro-Station bringen. Dort verabschiedeten wir uns endgültig von den beiden, und hoffen sie bald bei uns wieder zu sehen. Aus diversen Gründen planen Sie nämlich für August eine Reise in die Schweiz (zu einem Ort in unsere Nähe) und dann hoffentlich auch zu uns.

Mit einer ezpay-Karte für die Metro, die Laura uns vermacht hatte, ging es dann los. Erste Erfahrung: Man kann in kurzer Zeit nur eine Fahrt von so einer Karte abbuchen – die zweite müsste man dann bar bezahlen. Jedes Mal wenn wir aber an der Einlass-Schranke standen, und ich als zweite Person nicht reinkam, eilte ein Iraner zur Hilfe und buchte den Fahrpreis von seiner Karte ab!

Es ging also rein nach Teheran – zum ersten Mal auf unserer Reise :-).

Wenn man so wie wir den absolut wahnsinnigen Autoverkehr vorab erlebt hat, fragt man sich schon warum die Regierung dieses und andere Verkehrsmittel nicht auf einen ordentlichen Stand bringt und damit den Verkehr eindämmt!? Laut Berichten sterben jedes Jahr um die 30 Personen am Teheraner Smog. Die Schienen erlauben offenbar keine höheren Geschwindigkeiten als 50 Stundenkilometer. Außerdem fahren die letzten Metros noch vor 23:00 Uhr. Die Anbindung des internationalen Flughafens, auf dem die ganze Nacht Flüge landen und starten, ist somit nicht gegeben. Dokumentation und Homepage der Metro sind eine Katastrophe. Die Metro und der Teheraner Autoverkehr, das will ich abschließend hier noch explizit sagen, ist aber das einzige Negativbeispiel der ganzen Reise.

Wir kamen also mit einmal umsteigen in die Innenstadt. Schwer bepackt wanderten wir so noch ca. 4 Kilometer durch Teheran, bis zur Metrostation die uns zum Flughafen bringen sollte. Dort kauften wir noch Brot und Wasser, bevor wir dann in Richtung internationaler Flughafen aufbrachen.

In der Metro ist der vordere Teil jeweils als Frauenabteil reserviert, was aber Männer die in den überfüllten Gemischtbereich nicht einsteigen wollen, nicht am zusteigen hindert. Im gemischt geschlechtlichen Bereich ging es also zur Umsteigestation zur Linie 8 die uns zum Flughafen bringen sollte. Nach dem Aussteigen dann aber 100% Fehlanzeige. Entweder war das doch die falsche Station, oder die Verbindung zur Linie 8 ist nicht ausgeschildert. Wir fanden auf jeden Fall keine Linie 8 und standen etwas blöd vor der Metrostation. Ein paar junge Frauen erklärten uns mit Händen und Füßen es gäbe nur Taxi. Die Taxifahrer erklärten um diese Uhrzeit (kurz nach 22:00 Uhr) gäbe es keine Metro mehr, und so mussten wir den Rest des Weges mit dem Taxi fahren. Ob das so stimmt wissen wir leider nicht.

Ja … und dann begann das Warten! Der Flug ging erst um 4:35 Uhr und die Stunden des Wartens ziehen sich. Irgendwann war es dann aber so weit – der Flieger hob ab, was wir vermuten, denn wir waren beide schon vorher eingeschlafen. Nach drei Stunden Schlaf (unruhig wie man eben im Flieger so schläft) landeten wir in Istanbul. Erneut erlebten wir die Verwandlung der mitreisenden Frauen, die mit iranischen Kleiderregeln (weit ausgelegt) abflogen, und mit aktueller und schöner Modebekleidung landeten! Welch Irrsinn!

Dort dann noch mal etliche Stunden in wartender Haltung, bevor wir dann nach Basel flogen. Mit dem IRE nach Friedrichshafen-Flughafen, wo uns eine irakischer-iranischer Taxifahrer :-) nach Hause fuhr und hellauf von unserer Reise begeistert war. Mit einem letzten Cho-da-ha-fes (Auf Wiederesehen) an den Taxifahrer endete so unsere Iranreise vor der Haustür.

Persönliches Fazit

Meine jahrelang gehegten Träume für diese Reise haben sich alle mehr als erfüllt. Iran hat alle Erwartungen übertroffen! Dies sowohl als Land, in Hinblick auf seine Infrastruktur, auf seine gepflegten Kulturschätze, auf Land und Leute, … insbesondere aber auch bezüglich der Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Iranerinnen und Iraner. Obwohl wir vorab schon einigermaßen gut informiert waren, waren wir von der Realität doch positiv beeindruckt. Es war so gut wie alles wesentlich besser als erwartet!

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