Palästina, Bethlehem

Heute war frühes Aufstehen angesagt. Unsere Wohnungseigentümer hatten Gestern schon angekündigt, dass sie um 8:30 Uhr wieder da sein werden. Der Reisekoffer stand dann gestern schon da. Irene hat noch einmal alles klar Schiff gemacht und ich habe noch ein kleines Briefchen an die Eigentümer geschrieben. Martha hatte eine Kitty-Tasse des Kinds zerdeppert und unter mir brach gestern ein Stuhl auf der Terasse zusammen – war auch eine Fehlkonstruktion. Nun ja … beim Fallen hab‘ ich mir auf jeden Fall mal sauber den Arm aufgeschrammt.

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Als die Vermieter dann auch nach 8:30 Uhr nicht da waren, haben wir uns mal auf den Weg gemacht.Zu Fuß ging es zur zentralen Busstation um ein Sherut (Sammeltaxi) in Richtung Jerusalem zu suchen. Mit 5 Personen ist man da der Held da es sich dann für das Sherut bzw. den Fahrer fast schon lohnt. Unser Sherut war aber voll ausgebucht und so ging es nach dem Bezahlen auf die Reise (wg. Pessach allerdings mit Shabbat-Aufschlag).

Die Strecke kannten wir ja schon vom Ausflug an das Tote Meer. Dank den Kenntnissen von Laura und Clara fanden wir uns nach der Ankunft in Jerusalem auch schnell zurecht und waren in guten Händen. Ankunft war in unmittelbarer Nähe des Damaskus-Tors, an dem dann auch die Busse nach Bethlehem abfahren. Davor war aber erst mal Frühstück bzw. Mittagessen angesagt. Wir hatten wieder unseren nun schon fast De-Facto-Standard: Hummus, Falafel, Pita und ein paar Gemüsebeilagen – heute am Schluss noch mit süßem Tee.

Nach dem Bezahlen ging es dann zum Bus nach Bethlehem. Das sind dann ganz normale, große Reisebusse. Für mich war in meiner Vorstellung zwischen Jerusalem und Bethlehem immer eine riesige Distanz – in Wirklichkeit ist Bethlehem eigentlich ein Nachbarort von Jerusalem und man ist sofort dort. Der Grenzübergang nach Palästina war dann aber wegen des Shabbats geschlossen und so mussten wir nicht nur den Bus am Checkpoint verlassen, sondern wurden auf der anderen Seite auch nicht wieder vom Bus empfangen. Da fast kein Personenverkehr war, waren auch die Kontrollstellen im Checkpoint nur spärlich besetzt. Es war aber auch mit deutschem Reisepass ein beklemmendes Gefühl durch die diversen Gänge, Drehkreuze, … zu gehen.

Für uns wecken die Grenzanlagen sofort Erinnerungen an die Mauer zwischen der DDR und der BRD. Ich habe letztere nie im Original gesehen, die Mauer hier überragt unsere ehemalige innerdeutsche Mauer doch erheblich – sind die Betonteile doch immerhin rund acht Meter hoch! Die Berliner Mauer war 3,6m hoch!

Auf palästinensischer Seite wartete dann eine Armada von Taxis, die an uns aber zu ihrem Leidwesen nichts verdient haben – wir gingen nämlich zu Fuß nach Bethlehem rein. Dabei gingen wir eine relativ lange Strecke an der Mauer entlang, sahen uns die Graffitis an und lasen die Kurzberichte von Betroffenen.

Das macht alles doch sehr betroffen und der Kopf versucht das irgendwie zu verstehen und zu verarbeiten – bei mir leider bislang ohne wirkliches Ergebnis. Lässt man das Fehlverhalten der Soldaten / der Polizei mal außen vor, haben beide Seiten natürlich Argumente für ihr Verhalten. Ich habe mir heute nur gedacht, dass ich froh bin hier in keiner Entscheiderfunktion tätig sein zu müssen. Es ist auf jeden Fall für die normalen Betroffenen, die einfach nur in Frieden und Ruhe leben wollen, ein Alptraum – so viel ist sicher.

In Bethlehem selbst erreichten wir nach einer mittleren Stadtwanderung das Youth Hostel und wurden dort auch aufgenommen. Zusammen mit einer anderen deutschen Familie sind wir in einem Schlafsaal mit Stockbetten einquartiert. Die Betreiber des Hostels sind extrem freundlich und nett.

Nachdem wir die Betten bezogen hatten, machten wir uns auf den Weg zur Geburtskirche Jesu. Mit rund 1700 Jahren auf dem Buckel ein durchaus altes Bauwerk. Zusammen mit vielen Pilgern (heute waren es vornehmlich Gruppen aus Äthiopien) stellten wir uns an um die Geburtsgrotte Jesu zu besichtigen. Mal abgesehen davon, dass die Art mancher Frömmigkeit auch mich sehr befremdend wirkt, wird auch hier wieder eine der Vorstellungen meiner Kindheit in Frage gestellt – war es nun ein Stall mit einer Krippe oder doch diese Grotte im Gestein?

Wie auch immer – anschließend ging es durch die Altstadt von Bethlehem an den vielen Geschäften vorbei. Wie in Touristenorten üblich, haben die Händler in allen Sprachen ein paar Sprüche drauf. Auf „ich liebe Bratkartoffeln“ als Anmachspruch war ich dann aber doch nicht vorbereitet :-). Auch die scherzhaften Verhandlungen zum Verkauf meiner blonden Töchter waren nicht erfolgreich – ich wollte nicht unter 39 Kamele und das war dem arabischen Händler zu viel. Wir hatten aber alle einen großen Spaß. Triefend süßes Baklava-Gebäck machte dann fast alle erst mal wieder sehr zufrieden. Irene bekam kurz darauf noch eine Portion Falafel und dann trennten sich die Wege von Eltern und Kindern. Letztere gingen ins Vertriebenen-Camp und wir zum Ausruhen in die Jugendherberge.

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